Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 141 Vergangenheit ihres Volkes und ihrer eigenen Seele ging, bei den Juden auch von äußerlicher Unterwürfigkeit nichts zu spüren war. Die heißblütige, zornige und gewaltsame Art des Reformators, der in sich das Bewußtsein verspürte, Gottes Wege deuten zu können, gab sich, im Winter des Jahres 1542/43, in der Traulichkeit seines Heimes, den Tischgenossen dahin kund1): »Nulla major ira Dei, denn wenn er still schweigt, wie es den Judn itzt geht, das unser Herrgott also hart mit inen zürnet und in in 1500 jarn sich nicht mit einem wörtlein vornemen lies, nullum signum. Ipsi vehementer clamitant et ardentissime precantur, ut ostendunt eorum libelli, in quibus coritinentur eorum precationes. Wenn ich so beten kund, wie sie beten, ich wolt vor 200 fl. becher drumb geben! Cur Deus non exaudiat, miror. »Es ist ira, ein großer unaussprechlicher zorn. Wie sie itzt schreien, so antwort Gott unser Herr : »Cum ego praedicarem et clamarem, nemo audiebat. Es wolt niemant hörn, so hör ich itzt auch niemants. Increpationes meas neglexisti, noluisti audire; so will ich dich itzt auch nicht wider hörn. ... So gehts mit vorlornen kindern, qui nolunt audire parentes et postea a parentibus spernuntur. . . .* ln dieser strömenden Anklage kommt aber doch auch die Einsicht Luther’s zur Geltung, wie hart und grausam das tägliche Leben für die Juden sei. in innigem Zusammenhänge damit stand die glutvolle Tiefe ihrer Gebete und ihres Betens, der von dem Reforraator so stark Anerkennung gezollt wurde. Diesen Zorn Gottes, ihre Verstoßung hatten die Juden, nach Luthers Überzeugung, durch ihre Verleugnung Jesu Christi als des Messias sich zugezogen. Und so achteten sie auch jetzt noch »eines Christen wie eines hundes .. .« Sie hörten nicht auf: »machinari mortem Christianis. Noch sitzen sie bei uns in großen eheren 1 Wenn ich wer an stadt der herrn zu Franckfurt, wolt ich alle Juden zusamen fodern und *) Tischreden Nr. 608.