Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
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136 Zur Geschichte und Beurteilung derjudeia vom XV, bis XIX. Jahrb. gegangen, und nicht nur Lauze beweist uns, wie sehr seine geänderte Stellungnahme den Beifall der großen Masse gefunden hat. Wie stark der antijüdische Sinn, in Deutschland und im Auslande, zu der Zeit war, als Luther dem Ende seines Lebens zuging, wie er sicher sein konnte, daß eine antijüdische Schrift seines Geistes eine höchst willkommene Aufnahme finden würde, das ersieht man aus Briefen, die sein getreuer Mitreformator Justus Jonas in den Jahren 1543 und 1544 aus Halle an den Fürsten Georg von Anhalt gerichtet hat1). Jonas hatte die Schrift Luther’s »Von den Jüden und ihren Lügen«2) in das Lateinische überihr, wie von der später zu behandelnden Anti-Juden-Schrift Luthers, den Abdruck, der sich im 20. Teile der Walch’schen Ausgabe von Luther’s Sämtlichen Schriften (Halle 1747) befindet. Der Reformator hoffte, durch sie Juden »zum Christenglaubea reizen־: zu können, Die Päpste, Bischöfe, Sophisten und Mönche, »die groben Eselsköpfe«: seien bisher mit den Juden so verfahren, daß ein guter Christ wohl hätte ein Jude werden mögen. Sie hätten die Juden behandelt, als ob sie Hunde wären, »keine Christliche Lehre noch Leben hat man ihnen beweiset, sondern nur der Päbsterey und Möncherey [sie] unterworfen.«; »Ich habs selbs gehört von frommen getaufften Juden, das, wann sy nicht bey unser zeyt das Euangelion gehört heten, sy werenndt Ir leben lanng Juden vnder dem Christenmantel hüben,...« [Ich zitiere diese Stelle aus des Berliner Antiquars Martin Breslauer so lehrreichem Katalog 1 (1905), S. 145.] Wenn man mit den Juden freundlich handle und sie aus der Heiligen Schrift säuberlich unterweise, so, hoffe er, würden viele von ihnen rechte Christen werden und wieder zum Glauben ihrer Väter, der Propheten und Patriarchen zurücktreten. — Luther rät, man solle mit den Juden säuberlich umgehen; es sei eine Lüge, sie zu beschuldigen, daß sie Christenblut haben müßten, um nicht zu stinken und was derlei Narren Werkes mehr sei. Wie könnten sie gebessert werden, wenn man ihnen verbiete, unter den Christen zu arbeiten, zu »handthieren« und mit ihnen andere menschliche Gemeinschaft zu haben? Dadurch treibe man sie zum Wucher. *) Der Briefwechsel des Justus Jonas. Gesammelt und bearbeitet von Gustav Kawerau. 2 Hälften. Halle 1884, 1885 Geschichtsquellen der Provinz Sachsen . . . Bd. 17. 2) De judaeis et eorum mendaciis D. M. Luiheri e germanico!atme redditum per J. Jonam. Dedicatoria epistola ad illustriss.