Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829822-2888966--36851-2888991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
!34 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhliches Land »das sy von, gott entpfangen handt«, verloren und seien von dessen neuen Besitzern, den Römern, über die Erde zerstreut worden, »das sy versandet nymer werd.« So seien sie auch »in ewige dienstparkeyt« gekommen. Hier haben wir die uns von Hutten bekannte Äußerung von den »Gefangenen aller Nationen« wieder, dieselbe Auffassung, die Reuchlin in seinem »tütsch missiue« so kundgab: die Juden seien nun über 1300 Jahre im Gefängnis, wegen der Messiaslästerung־ ihrer Vorfahren, in die deren Nachkommen eingestimmt hätten. Sie lästerten, schändeten und schmähten Gott täglich in der Person seines Sohnes. »Sie nennen in ein Sünder vnd ein zoüberer. vnd den gehenckten. vnd die gütig iunckfraw Maria heissen sye haria ein wüterln. vnd die iünger oder aposteln nenen sye ketzer. vnd vns Christen ein vnfolck oder nit volck. vnd nerrisch beiden vnd vil ander böse wort die sye vsstosse.« Reuchlin schrieb dieses »Missive«, diesen Brief an einen Adligen, auf dessen Bitte, ihm kurz aufzuzeichnen, wie er sich in müssigen Zeiten mit seinen Juden besprechen könnte, so das kein Ärgernis, sondern merkliche Besserung entstünde. Gegen so bestimmte Angaben Reuchlin’s, des innigen Verehrers der Schätze, die aus jüdischem Geiste hervorgegangen waren, läßt sich nicht ankämpfen: man muß sie als die Wiedergabe von Vorhandenem annehmen. Und so sehen wir, wie sich zwei Strömungen hier haßerfüllt und verachtend gegenüberstanden. Die Fortdauer dieses Verhältnisses beleuchtet grell ein Beleg, der einige Jahrzehnte später niedergeschrieben worden ist Hätten die Juden, heißt es da, die Macht, so müßten alle Christen in einer Stunde sterben. »Denn so offt sie einen Christen wilkommen heissen, so verfluchen sie Inen, wie Ire eigene Rabinj den Untergang des Volkes mit seinem Abfall zusammen gebracht« habe. Preuschen verwies dafür auf Justin’s Apologie I, 53 f. 59 f., Barnabas 4, 6 f. 14, 1 f., auf den Dialog Justm’s mit Tryphon und besonders auf Tertullian adversus Judaeos 10 f.