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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 2 · p. Seite 132

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
Date
1909-01-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV« bis XIX, Jahrh. Als Historiker und Literarhistoriker hat ihr katholischer Herausgeber seine Aufgabe trefflich behandelt; seine Leistung ist gleichmäßig ein schöner, erfreuender Beweis unparteiischer Beurteilung und feinfühligen Seelenlebens, wie scharfer, wissenschaftlicher Kritik. Murner hätte wahrlich an seinem Erklärer in sachlicher Hinsicht keine Freude gehabt. »Die »Entehrung Mariä durch die Juden«, sagt Klassert, »zerfällt in zwei Teile. Auf die Geschichte der Verspottung und Verwundung eines Marienbildes durch Juden im Hennegau und der Bestrafung des Frevels (V. 1—827) folgt (V. 828 — 1506) der lehrhafte Teil, dem Holzschnitte völlig fehlen. Hier sammelt der Verfasser alle möglichen Anklagen gegen die Juden, deren Berechtigung er oft mit wenig Logik zu erweisen sucht, und fordert Vertilgung der Juden, will also für vermeintliche oder wirkliche Verbrechen einzelner die Gesamtheit büßen lassen«. Die von Murner behandelte Legende spielt »zur Zeit der Judenverfolgung, die um das Jahr 1322 in Frankreich und im Hennegau wütete«; bis zum Jahre »1467 wurde jährlich, bis 1500 alle drei, seitdem alle sieben Jahre die judaica tragoedia aufgeführt«. Als Murner etwa im Jahre 1515 seine Dichtung herausgab, lebte also der alte hennegauische Haß in periodisch neuer Schürung sein arges Dasein weiter. Kaiser Maximilian, der im Jahre 1513 Wallfahrtsgast im hennegauischen Kloster Camberon war, ließ die dortige, die angebliche Durchstechung des Marienbildes und ihre Folgen behandelnde bildliche Darstellung erneuern und zugleich auch für das Dominikanerkloster in Kolmar eine solche verfertigen. Der Barfüßerinönch Murner aber suchte, mit Hilfe der Druckkunst die Leidenschaften weithin zu entflammen; einer Cisterne, die allen Grimm, alle Rachsucht, jede gemeinste Schmähung gegen die Juden, weg. Wir sehen in diesem seltenen Straßburger Drucke eine Schrift, die in sprachlicher, literar- und kulturgeschichtlicher Hinsicht des Merkwürdigen genug bietet, mn eine Herausgabe ■zw rechtfertigen.«

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