Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
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130 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. hinderungsmittel für den Übertritt1). So faßte man das Beharren der Juden als Widerspenstigkeit, als Starrsinn gegen die klar vorliegende göttliche Lehre auf : war diese die fides, so mußten die Juden als Vertreter der perfidia angesehen werden, und derselbe Mann, der seiner jüdischen Lehrer mit so quellender Herzlichkeit gedachte, schrieb, nach Jahren seines heißen und ergreifenden Kampfes zu Gunsten des guten jüdischen Schrifttums,: durch die katholische Wahrheit werde der so ungemein harte Nacken der Juden von Grund aus zermalmt und ihr hartnäckiger Unglaube völlig besiegt2). Auch das vom Pfalzgrafen bei Rhein und Herzog in Bayern, dem Bischöfe Georg von Speyer, im Jahre 1014, »in eygener person« gegebene und gesprochene Urteil im »Reuchlin’schen Streite:׳, das Reuchlin’s Gegner, den Dominikanerketzermeister Hochstraten, zu ewigem Schweigen verurteilte, besagte, daß Reuchlin’s »Augenspiegel« den ungläubigen Juden (perfidis Judaeis) nicht günstiger sei, als sich zieme, oder die Rechte erlaubten3). Der inbrünstigen Heiligung ihrer religiösen Über*־ lieferungen, ihres Glaubensschatzes seitens der Verfolgten und Gepeinigten, entsprach natürlich auch der Stolz auf diesen. Und so müssen wir als Wiedergabe einer die deutsehen Juden beherrschenden Auffassung eine Äußerung ansehen, die sich in dem, 1517 herausgekommenen, zweiten 1J So hieß es im Urteile der Mainzer theologischen Fakultät vom Jahre 1510, das im »Reuchlin’schen Streit« ergangen ist; (im eben angeführten Werke, S. 96.) 2) Reuchlin’s Briefwechsel S. 313; Reuchlin an Wilibald Pirckheimer, den edlen Nürnberger Humanisten und Staatsmann. Es ist von dem Werke des italienischen Reuchlinisten Petrus Galatinus: Opus de arcanis catholicae veritatis; hoc est commentarii in loca difficiliora Vet. Testament!* ex libris haebr. die Rede, und Reuchlin versichert mit stärkster Betonung: »tale profecto esse, quod per illud non solum Judaeorum nostri temporis et durissima cervix funditus contunditur, et obstin ata perfidia convincitur, verum etiam orthodoxa fides nostra plurimum roboris accipit . . 3) Reuchlin’s Briefwechsel S. 213.