Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 129 (sequence 1)
- Language
- German
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Zar beschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XEX. Jahrhundert. Von Heinrich Heidenheimer«. (Fortsetzung.) Hielt man die hebräische Sprache als Ausfluß und Quelle der Gnade des gemeinsamen Gottes in höchster Verehrung, so empfand man es gerade um so stärker, daß die Juden gleichmäßig dieser Sprache und ihrem Glauben die Treue bewahrten. Nichts Heiligeres könne er tun, als wenn er die Juden, nicht auf tyrannische Weise, sondern wie die Gesetze dies wünschten, in gütiger Eintracht zum Christliehen Glauben bringe, schrieb Reuchlin im Jahre 1512 an den Geschichtschreiber Cuspinian1). Schon in seinem (1505 erschienenen) »tütsch mißiue warumb die Juden so lang im eilend sind«2), beteuerte er: »Ich bit gott, er wöll sye erlüchten vnd bekern zü dem rechten glouben. das sye von der gefencknüs des düfels erledigt werden, als die gemeinschafft der Christenlichen kirchen an dem karfritag andechtiglich für sye bitt.« Die talmudischen Bücher und andere, so behauptete man, seien die Ursache, warum die Bücher Mosis und der Propheten, sowie die Psalmen von den Juden verkehrt ausgelegt würden, sie seien das Haupt- J) Reuchlin’s Briefwechsel S. 172, »Quid autem potius sanctius a me fieri, quando statui ad fidem nosiram Judaeos non tyrannide 1111a rapere, sed ut jura volunt, benigniore concordia ducere . . .c 2) Ulrichi Hutteni... Operum. Supplemenium ... T. I, S. 179. Monatsschrift, 53. Jahrgang. 9