Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zum Andenken an Moritz Veit
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 518 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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518 Zum Andenken an Moritz Veit. und politische Koryphäen zu sehen; bei seinem stark entwickelten Familiensinn vielmehr öffnete er seinen Verwandten, hochachtbaren Kaufleuten, liebenswürdigen, bildungseifrigen Frauen die Pforten seines Hauses und erschien gern auch in ihren Häusern, in denen er als das geistige und Familienoberhaupt betrachtet Und verehrt wurde. Unter den jüdischen Freunden des Hauses sind besonders Sachs und die Seinen, der Gelehrte Zedner, solange er in Berlin weilte, der Kompagnon Veits, Lehfeldt, hervorzuheben. Für die jüdischen Angelegenheiten zeigte Veit lebhaftes Interesse. Läßt sich aber sein politischer Standpunkt mit dem einem Worte »altliberal« klar bezeichnen, so reicht eines der Schlagworte »orthodox« oder »freisinnig« zur Charakteristik seiner religiösen Ansichten nicht aus. Religion betrachtete er nicht wie ein Gläubiger, noch weniger wie ein Historiker, sondern wie ein Dichter einer-, wie ein moderner Mensch andrerseits: Er unterschied die Gedanken und die äußere Förm. In jenen wollte er sich durchaus die Freiheit seiner philosophischen Überzeugung, die Selbständigkeit seines weltHchen Denkens wahren, für diese als eine durch Zeit Und Gewöhnung geheiligte, verlangte er Respekt; überlieferte, selbst abgelebte Formen wahrte er mit Pietät. Daher hatte er für die Reformbestrebungeh innerhalb des Judentums keinen Sinn, gegen die in Berlin hervortretenden verhielt er sich ablehnend; zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin wünschte er zwar einen wissenschaftlich hochstehenden; modern gebildeten Mann, aber einen konservativ angehauchten Geistlichen. Er fand ihn in seinem Freunde S a c hs. Von 1839—48 wär Veit Ältester (Vorsteher) der jüdischen Gemeinde, später Vorsteher des Repräsentäntenkollegiums. Zwei Jahrzehnte lang führte er in allen jüdischen Angelegenheiten ein entscheidendes Wort. Mit besonderer Liebe nahm er sich der Schule, des 1840 errichteten, 1858 reorganisierten Seminars an (die Rede bei der Einweihung 1840 erschien im Drück); an