Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zum Andenken an Moritz Veit
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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516 Zum Andenken an Moritz Veit• artigen jüdischen Gelehrten alten Schlages, vier Stunden wöchentlich Unterricht in der Lektüre jüdischer Quellen nahm. Dieser Unterricht wurde für ihn hauptsächlich dadurch wichtig, daß er auf Grund der hier erworbenen Kenntnisse poetische Stellen aus dem Midrasch zu über׳־ setzen unternahm und dadurch sich zum Mitarbeiter an der anmutigen Sammlung vorbereitete, die er in Gemein״ Schaft mit Sachs später unter dem Titel »Stimmen vom Jordan und Euphrat« erscheinen ließ. Diese Sammlung ist eine feinsinnig ausgewählte und durch die gebildete, kuristreiche Technik der Übersetzung wohlgelungene ZusammensteHung von Sagen, Erzählungen und Gedichten, die auch heute noch ihren Wert behält. Sind die eigentlich gelehrten Teile, wohl auch die Auswahl und Zusammenstellung mehr das Werk von Sachs, so darf das Büchlein auch unter den Arbeiten Veits nicht übergangen werden. (Über Saiomon Pleßner hat Veit in dem angeführten Briefwechsel, S. 8 und 9, eine ausführliche, ungemein anziehende Charakteristik gegeben, auf die hier nur kurz verwiesen werden mag, da׳ sie zu lang ist, um wörtlich mitgeteilt zu werden, einem Auszug aber nicht verträgt.) So wenig wie seine Buchhandlung war auch sein Umgangskreis ein ausschließlich jüdischer. Gerade in der Zeit, in der die Berliner Geselligkeit auf ihrer Höhe stand, in einer Epoche, in der die preußische Hauptstadt noch entfernt davon war eine internationale Karavanserei zu sein, weder an Prunkgelagen noch an Zusammenkünften kosmopolitischen Charakters besonderes Gefallen fand, sondern sich mit schlichten Theeabenden oder bürgerlichen Gastereien begnügte, in denen die salonartige Konversation als Hauptsache betrachtet wurde, war das Veitsche Haus der Mittel״ pünkt einer auserlesenen Gesellschaft. An der Seite des Hausherrn stand seine vortreffliche, feingebildete Gattin, Johanna geb. Elkan aus Weimar, eine Frau, die Goethe noch gekannt hätte und von ihm freundlich behandelt