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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 4 · p. Seite 463

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 4
Article
Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
Date
1908-01-01
Page
Seite 463 (sequence 9)
Language
German
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Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. 46ä weiterhin die Kraft, die in Babylon dem Judentum von den durch die Geonim geleiteten Hochschulen zugeführt würde, in Palästina sich nicht zu regen vermochte. Doch, wenn auch der Strom, der große Denkkraft erfordernden Halacha seinen gewaltigen Lauf nicht in den Gefilden des heiligen Landes nehmen konnte, der Quell der phantasiereichen M idras chim rieselte dort auch ferner, die Gemüter stärkend und erbauend, das Schriftwort sinnig ausdeutend. Wenn die Palästinenser auch nicht die Geistesschärfe der Baby- Ionier in den Lehrverhandlungen hervortreten ließen, sa haben sie dafür aus der Tiefe ihres Gemüts die schönen Perlen der vielgestaltigen Gebete emporgeholt, und in den Goldgehalt der Stammgebete den Edelstein der Pijjutim gefaßt Und, wieder zu dem zurückkehrend, was einst auf diesem von Gott erkorenen Lande entstanden war, zur alten und immer neuen Bibel, haben sie die Worte, als Künder des göttlichen Gebotes und der Überlief er urig, treu hütend, die Massora angebaut und so das Gefilde der Schrift mit einem liebevoll errichteten Zaun sorgsam umgeben. Dies alles ist ein Zeugnis dafür, daß das jüdische Volk auch unter ungünstigeren Verhältnissen sich eine gewisse Spannkraft des Geistes erhalten hat. Es soll nun im folgenden ein zusammenfassendes Bild von dem literarischen Schaffen in Palästina bis zum Beginn des zehnten Jahrhunderts entworfen werden. ^£f§Die byzantinischen Kaiser hatten Judäa den letzten Schimmer des Glanzes von früheren, besseren Tagen, das Patriarchat, geraubt. Da geschah es, daß im Anfang des zweiten Jahrzehnts des 6. Jahrhunderts der nachgeborene Sohn des kriegerischen Exilarchen Mar Sutra, gleichen Namens, nach Palästina floh1), wo ihm, dem Sproß des *) Die im Seder Olam sutta angegebene Zahl, 452 nach Zer* Störung des Tempels 520 der gew. Zeitrechnung, schwankt nach anderen Quellen noch zwischen 522 u. 524; vgl. hierüber Lazarus a. a. O. S. 126, Anm. 2.

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