Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Michael Sachs. . 413 hatte ihn längere Zeit dort beschäftigt. Die erste Veranlassung zu dem Buche war seine Übersetzung der unter den Gebeten des Kolnidreabends befindlichen Selicha p אמנם gewesen, die zuerst in der von seinem Freunde Mannheimer in Wien veranstalteten Ausgabe der Festgebete erschienen ist und mit den Worten beginnt: »In der Brust Sündenlust ist uns eingeboren. Du, voll Huld, tilge Schuld, künd’ uns an Vegebung«1). Diese nach Form und Inhalt meisterhafte Übertragung erweckte vielfach den Wunsch nach einer ihr ähnlichen Verdeutschung anderer religiöser Poesien. Er veranlaßte Sachs zum eingehenden Studium der Sammlungen von solchen in den verschiedenen Riten. Sein Freund Luzzatto in Padua sandte ihm weitere Stücke aus seinen handschriftlichen Schätzen. Und so entstand aus einer sorgsamen Auswahl die Übersetzung einer Anzahl religiöser Gedichte spanischer Poeten, aus dem elften bis zum dreizehnten Jahrhundert von Gabirol bis zu Nachmanides. Was diese frommen Sänger aus einer tiefen religiösen Ergriffenheit und zugleich von einer überraschenden Höhe des Denkens und einer ernsten Betrachtung des Lebens aus gefühlt, gedacht und ausgesprochen haben, das wird von einem ihnen verwandten Gemüte nachempfunden und in einer markigen Sprache mit einer seltenen Beherrschung der verschiedensten Kunstformen dem deutschen Leser des neunzehnten Jahrhunderts dargeboten. Alle diese Dichter haben ihre Eigenart, und verschiedenartig sind die Anschauungen und Gefühle, die sie er- ג) In der Ausgabe der Festgebete von Sachs für den Kolnidreabend nach polnischem Ritus 10. Ausg. S. 52 f. Vgl. auch zu diesem Gedichte und dem ähnlichen des spanischen Machsor (Rel. Poesie 121 ff.) die Bemerkungen von Sachs in seinem Briefe an Veit vom März 1841 (Briefwechsel, S. 48 f), anläßlich der Blutbeschuldigung von Damaskus.