Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 3)
- Language
- German
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330 Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. ¥ 1 .. Bostanai1)- Eine tiefgehende Bewegung rief jedenfalls in der zeitgenössischen und späteren Judenheit die Persönlichkeit dieses Exilarchen hervor. Das Exilarchat verlieh wohl der Judenheit nach außen hin einigen Glanz; indessen beliebt waren seine Träger wohl schwerlich, da das Volk sich williger den Schuloberhäuptern, den Gaonen, unterordnete. Schon am Ende des 5. Jahrhunderts muß wohl eine Spaltung im Exilarchenhause entstanden sein, wie aus Scheriras Sendschreiben hervorgeht, der sein Haus auf die nichtbostanaische Linie zurükführt2). Was uns von Bostanai erzählt wird, kann mit Ausnahme von geringen Einzelheiten als authentisch angesehen werden3), zumal die Familienangelegenheiten dieses Hauses Gegenstand der Kontroversen unter den Gaonen gewesen sind. Im Allgemeinen ist die Meinung für Bostanais Heirat mit der persischen Königstochter unter den Gesetzeslehrern günstig gewesen. Wir ersehen dies nicht nur aus dem Responsum Hai’s in der Sammlung Scha're Zedek, das Graetz zitiert, sondern auch aus zwei von Schechter veröffentlichten Genisa- Fragmenten, die in der unter dem Titel »Saadyana« (Cambridge 1903) zusammengestellten Sammlung von Dokumenten aus der Zeit der letzten Geonim mit Nr. 36 u. 36a bezeichnet sind. Auch hier wird auf Bostanai der Grund- *) Vgl. Graetz V3, S. 113 fgg. 2) Dies folgert Brüll in seinen Jahrbüchern für jüd. Geschichte u. Literatur II, S. 52—53, Anm. 76 mit Recht aus Scherira (ed. Neubauer in Anecdota 1, S.33): ולא מבני בוסתנאי אנחנא אלא מקמי הכי ע י י* ל י זקננו בדרבנן המתיבתא 3) Auch das Vorkommnis mit der Fliege kann sehr wohl, wie Harkavy in der hebr. Übersetzung von Graetz דברי ימי ישראל Bd. HI, Warschau 1893, S. 123, Anm. 18, ausführt, als historisch gelten, weil der damaligen Hofetikette entsprechend. Auch ist es uns unverstündlich, daß Halevy in Doroth. Harischonim III S. 170, Anm. 3 die ganze Erzählung als apokryph hinstellen will.