Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 4)
- Language
- German
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260 Die Satire in der jüdischen Literatur. faßt hat, die schmeichelhaftesten Komplimente machen. David, der königliche Sänger, mit der Harfe in der einen und dem Psalter in der andern Hand, begleitet von He man, A ß af, Jed ü t hu n und den Söhnen Korahs, begrüßt ihn aufs Herzlichste und lobt ihn über die Maßen dafür, daß er seine Psalmen so herrlich erläutert habe. Er läßt alle Kommentatoren seiner Psalmen herbeirufen. Als diese, Da v i d K imc h i an der Spitze, vor ihm erschienen sind, legt er ihnen den Psalm 68 vor, um zu hören, wie sie ihn erklärt haben. Ihre Erklärungen haben ihn aber gar nicht befriedigt. Das sagt er ihnen unverhohlen. Nur die Erklärung I m m a n u e 1 s findet den ganzen, vollen Beifall Davids und selbst seiner Rivalen. In noch höhere Räume des Paradieses geführt, erscheint er vor Mose, dem Gottesmahne, der ihn ebenfalls sehr, lobt und ihm verheißt, daß er, obwohl seine Seele nicht rein, sein Herz nicht gerade und sein Wandel nicht gerecht seien, wegen seiner vortrefflichen Bibelerklärungen ins ewige Leben eingehen werde. Diese Schilderung mit dem seltsamen Schlußsätze, eine Mischung von maßloser Selbst- Überschätzung und einer gewissen Selbstironie, hat etwas von einer Karrikätur an sich. Der vorherrschende Charakter seiner Dichtung über die Hölle und das Paradies ist humoristisch-sätirisch. / Dantes Divinä comedia wurde hundert Jahre später von dem italienischen Dichter M o se b, I saak Ri eti, (ca. 1388—1415) und abermals drei Jahrhunderte später von dem italienischen Dichter M 0 s e Z acu t o (geb. 1625 in Amsterdam) nachgeahmt. Der erstere Dichter schildert in seinem Werke »Das kleine Heiligtum«, das ein literarhistorisches Lehrgedieht oder ein Pantheon der Berühmtheiten ist, das Paradies, von dem er Immanuel ausgeschlossen hat, »weil er von der Liebe gesungen hat«. (מקדש מעט, ed. Wien 1851. vgl. Giäetz, Gesch. VIII, S. 154). M o s e Z a c u t o dagegen schildert in seinem Werke »Tofte Aruch« nur die Hölle