Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 653 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die.Wissenschaft des Judentums. 653 Wissenschaft, ,und ihre Leistungen auf den Gebieten der jüdischen Religionsphilosophie und der hebräischen Sprach- Wissenschaft, der biblischen Exegese und der talmudischen Forschung blieben mustergültig bis auf diesen Tag. Es kommt eben nicht darauf an, daß die Wissenschaft des Judentums räumlich mit der Universität verbunden wird, sondern nur auf den Geist, der ihre Vertreter beseelt. Dieser Geist war im Judentum, wo das Streben nach Erkenntnis zu einer religiösen Pflicht geworden ist, so sehr der wissenschaftlichen Forschung zugewandt, daß er auch in den Zeiten des schlimmsten Druckes nicht völlig aus seiner Mitte schwand und bei günstiger Gelegenheit sofort wieder zu neuem Leben erwachte. So hat gleich in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts, nachdem Mendelssohn unseren Glaubensgenossen die deutsche Kuitur erschlossen hatte, schon der erste Vertreter unserer Wissenschaft, der Altmeister Z u n z, sie zu einer Höhe emporgetragen, auf der sie sich den anderen Wissen^ schäften würdig an die Seite stellen durfte, und es währte gar nicht lange, so folgte ihm eine Schaar begeisterter Mitarbeiter — wir nennen blos Z. Frankel und Steinschneider, Abraham Geiger und Graetz, Jost, Joel und Herzfeld, Rapoport in Österreich, Luzzatto in Italien, Derenbourg und Munk in Frankreich, — denen wir den weiteren Ausbau der Wissenschaft des Judentums zu danken haben. Nein, hochgeehrte Versammlung! Nicht die staatliehe Hilfe und Anerkennung, die nur ,,auf .Kos Freiheit und Unabhängigkeit erkauft werden kann, tut unserer Wissenschaft not, sondern die■ warmherzige Pflege und Förderung unserer Glaubensgenossen. Darum soll die Wissenschaft des Judentums, die sich seit der Begründung des Lehrhauses zu J a b n e von dem unheilvollen Einfluß des jüdischen Staates befreit und sodann fast zwei Jahrtausende in allen Ländern der Diaspora unabhängig erhalten hat, auch fürder durch die wache Sorge und die