Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 651 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Wissenschaft des Judentums. 651 Aber sie ist auch gar nicht zu wünschen. Denn abgesehen davon, daß bei dem Umfange dieser Wissenschaft eine Professur gar nicht ausreichen würde — dieser Professor müßte nämlich, um nur das Wichtigste zu nennen : die halachische und haggadische Literatur, Religionsphilosophie und Religionsgeschichte, biblische Exegese und hebräische Sprachwissenschaft gleichmäßig beherrschen und behandeln — müssen wir im Interesse der Freiheit und Unabhängigkeit unserer Wissenschaft ihren Anschluß an die Universität und damit die Unterordnung unter das Staatsinteresse ablehnen. Oder sollte die Beeinflussung der soviel mächtigeren christlichen Theologie von Seite des Staates, die Zurücksetzung der freisinnigen und die Förderung der orthodoxen Vertreter der protestantischen Theologie uns keine Warnung sein? Sollten wir in einer Zeit, wo in den interessierten Kreisen, den freisinnigen wie den orthodoxen, die Frage ernstlich erwogen wird, ob die theologische Fakultät nicht besser von der Universität ganz zu trennen wäre, so kurzsichtig sein, eine absterbende Institution für uns begründen zu wollen? Nach dem bewährten System der Vereinigten Staaten Nordamerikas, wo es durch die vollständige Trennung von Staat und Kirche an keiner Staatsuniversität theologische Fakultäten gibt, ist jetzt auch in Frankreich infolge des Kampfes der Demokratie gegen den ihr gefährlich gewordenen Katholizismus die Trennung von Staat und Kirche durchgeführt worden, und an dem regen Interesse, das sich jetzt unter unseren französischen Glaubensgenossen für die Lösung zeitgemäßer religiöser Probleme kundgibt, können wir den Segen der Freiheit ermessen, die ihnen seit einem Jahrhundert gefehlt hat. Nichts wäre daher unzweckmäßiger und geschichtswidriger, als noch jetzt auf dem allen Standpunkt beharren zu wollen. Schon hat der Vorgang Frankreichs in dem Schweizer Kanton G e n f Nachahmung gefunden, und liegen auch bei uns die politschen Verhältnisse hi-