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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 5 · p. Seite 562

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 562 (sequence 21)
Language
German
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562 Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. Schriftstellen verdrehen und verstümmeln, um sie für ihre ei genen religiösen Annahmen auch nur einigermaßen verwenden zu können. Und ihr in seinem Tun wie in seinem Lassen gleich unbegreiflicher Gott erinnert eher an das antike Fatum wie an den Gott des A1 ten Testaments, Gott »barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Liebe und Treue, der seine Liebe bewahrt bis ins tausendste Geschlecht, der Schuld, Frevel und Sünde vergibt, aber auch nichts ungestraft läßt und gedenkt der Schuld der Väter an den Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Geschlecht« (2. B, M. 34, 6 f.) »an denen, die ihn hassen« (2. B. M. 20, 5) und »der auch nur züchtigt, wie ein Vater seinen Sohn züchtigt« (5. B. M. 8, 5). Dieselbe eigenartige Theologie, welche die Sün d e Adams zur Erbsünde für alle nachfolgenden Geschlechter gemacht hat, hat auch das jüdische Gesetz als einen »Fluch« bezeichnet und das Blutopfer Christi als eine Erlösung der Gläubigen von beiden hingestellt. Nirgends in der ganzen jüdischen Theologie ist auch nur ein Ansatz zu solchen Vorstellungen vorhanden. Auch »bei den ersten Jüngern Jesu ist keine Abweichung von der Theologie der Juden, keine Anerkennung göttlicher Mächte neben Gott, keine Rede von einer neuen Gottesoffenbarung, kein erkennbarer Einfluß von heidnischem Polytheismus, und griechischem philosophischem Denken. Da ist kein anderer Christus als der Mensch Jesus, in dem das Ideal vom leidenden Messias verwirklicht ist. Da ist keine Erwartung einer Erlösung aus den Banden der Sinnlichkeit, sondern vielmehr eine sehr lebendige Hoffnung auf das unmittelbar bevorstehende Kommen des Reiches der Himmel, auf die Gründung des Messiasreiches auf Erden.«1) Dagegen finden wir ähnliche Anschauungen wie in den paulinischen Briefen bei den Gnostikern. Von ihnen י) Van Manen S. 152 f.

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