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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 5 · p. Seite 560

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 560 (sequence 19)
Language
German
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560 Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. heißt: sittlich, rein und glücklich zu sein. Er sendet seinen Sohn aus Liebe zu den Menschen, schont seiner nicht und gibt ihn hin an die niederen, in der sinnlichen Weit herrschenden Mächte. Sie werden Meister über ihn, wie über alle Menschen und fügen ihm dasselbe Schicksal zu, das diese erleiden, weil sie ihn für einen Menschen halten und nicht wissen, daß er Gottes Sohn »der Herr der Herrlichkeit« ist (1 Kor. 2, 8). Sie töten ihn«1 2) . .'.;Gott gibt ihn hin »als Sühnopfer in seinem Bilde zum Erweise seiner Gerechtigkeit in Betreff der Nachsicht, welche die Langmut Gottes gegen die früher geschehenen Sünden geübt hat, um nun seine Gerechtigkeit zu erweisen in diesen Zeiten, auf daß er sich gerecht zeige und zugleich als der» welcher gerecht macht, nämlich die, welche an Jesus glau- . ben.« (Rom. 3, 25 f.). - Die solchen Vorstellungen gegenüber sich aufdrängenden Fragen und Bedenken formuliert J ü 1 i c h e r folgendermaßen^) : »Warum hat Gott denn auf so viele Jahrhunderte hinaus seine Schöpfung ihren grausamen Feinden ausgeliefert, statt die Sünde sogleich mit allmächtigem Arm zu zerschmettern, warum hat er überhaupt ihre Entstehung zugelassen? Auf, die zweite Frage weiß Paulus keine Antwort; es steckt da in seinem Weltbild ein Einschlag von Dualismus, den erst seine Eschatologie mühsam überwindet; gekommen ist das Böse nicht von Gott und nicht aus dem Menschen selber, sondern von außen an ihn heran, an den Menschen vielleicht durch den Verführer Satan; aber woher an diesen, der doch nicht von Ewigkeit als eine Art böser Gott existiert hat? Das andere Warum dagegen erledigt ihm seine jüdische Theologie: Gott hat nicht geholfen, weil der Mensch durch die Übertretung seinem Zorne verfallen war, und weil die Gerechtigkeit, welche Schuld nicht ungestraft läßt, wie die Wahrhaftigkeit 1) Van Manen a. a. O. S. 125, vgl. überhaupt S. 121—130. 2) A. a. O. S. 81 f.

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