Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die literatur für und wider die Juden in Schweden im Jahre 1815
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 540 (sequence 28)
- Language
- German
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540 Die Literatur für u. wider die Juden in Schweden i. J. 1815. diesem unfruchtbaren Streite fern. Von einer eigentlichen Judenhetze war. auch gar niemals die Rede. Daß die Stellung der Juden jedoch in gewissen Be- Ziehungen mit dem Jahre 1815 sich änderte, haben wir bereits gesehen, und zwar durch das Verbot der Ein- Wanderung neuer jüdischer Ansiedler. Die Befestigung, welche die jüdische Gemeinde dadurch gewann, machte bald einer milderen Gesetzgebung Raum. Der erste Schritt dazu wurde durch die kön. Verordnung vom Jahre 1838 gemacht, wodurch die Juden das Recht erhielten, sieh überall im Lande niederzulassen und auch alle anderen Rechte auszuüben, außer der Befugnis, Grundstücke auf dem Lande zu kaufen und zum Reichstage zu wählen. Anläßlich dieser neuen Gesetze, fing man wieder an, mit Schmähschriften gegen sie zu toben, unter welchen die ärgsten waren: »Die neue Zeit oder das Land Kanaan« und das Schmählied »Die Beschneidung oder die herannahende Zeit«. Infolge eines Auflaufs des Röbels erschien dann eine neue Verordnung, welche in vielfacher Hinsicht eine Verschlimmerung für die Juden herbeiführte, indem das Niederlassungsrecht wieder auf 4 Städte beschränkt wurde. Seit: diesem Jahre aber dämmerte der Tag auf. Tolerante und rechtschaffene Männer arbeiteten immerfort in der Literatur, um den Juden den Weg zum Vollbürgerrecht zu ebnen, und i. J. 1854 wurde es ihnen wieder erlaubt, sich in allen Städten niederzulassen, i. J. 1860 auch auf dem Lande, ln diesem Jahre bekamen sie auch das Recht, Grundstücke überall zu besitzen. Seit dem Jahre 1863 durften sie gewisse Staatsämter bekleiden, 2 Jahre später wurden sie wahlbereehtigt, und im Jahre 1870 erhielten sie endlich das volle Bürgerrecht. Dieses sei andeutungsweise über die weitere Ent- Wickelung der Judenfrage nach dem Jahre 1815 gesagt. Die Geschichte der Juden zeigt in Schweden, wie überall, keine beständig fortschreitende und vorwärts führende