Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die literatur für und wider die Juden in Schweden im Jahre 1815
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 533 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829803-2829809-2887908--35598-2887946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Literatur für u. wider die Juden in Schweden i. J. 1815. 53& glück einträfe, daß das neue Gesetz angenommen würde, es sich doch nicht auf diejenigen Juden beziehen könnte, die gemäß dem Reglement v. J. 1782 ins Land eingewandert wären. Man kann sich schwer des Gefühls erwehren, daß die Schriften Grevesmöhlens ein bischen zu viel Sehönmalerei enthalten. Wenn man ihm glauben dürfte, hätten die damaligen Juden nur gute Eigenschaften gehabt, eine Sache, die doch in manchem dem widerspricht, was wir über ihren früheren Aufenthalt in Schweden wissen. Allein in der Hitze des Kampfes, bei der die Parteien einander so scharf gegenüber standen, ist es nicht zu verwundern, wenn Übertreibungen auf beiden Seiten vorkamen. Hatten Wegelin, Stabeck und Konsorten alles tief schwarz gemalt, so kann man es Grevesmöhlen nicht verdenken, wenn er ein wenig rosig malte. Eine andere Schrift für die Juden mag hier nicht unerwähnt bleiben, da sie alle anderen an Wohlwollen für sie übertrifft. Es ist dies ein »Vorschlag zu Veränderungen im Reglement für die jüdische Nation v. J. 1782, den Reichsständen gewidmet.« Nach einer warmen und nicht schlecht geschriebenen Verteidigung der Juden und einem ausführlichen Abdruck des Pählman’schen Gutachtens, teilt der Verfasser seinen Vorschlag mit, welcher an denjenigen des »besonderen Ausschusses« erinnert, jedoch noch freisinniger ist. So verlangt er, daß die Kinder der Juden zu den Schulen des Staates zugelassen würden und je nach Bedürfnis auch vom Staate Armenunterstützung erhalten sollten — in dieser Beziehung also sogar weiter fortgeschritten ist, als wir es gegenwärtig sind. Natürlich will er ihnen erlauben, sich nach Belieben niederzulassen, die nötige Dienerschaft zu halten und jedes beliebige Gewerbe zu treiben mit Ausnahme von Gold- und Silberscheidung und Hausierhandel. Gleich allen anderen Vorschlägen fordert der Vf., daß die Juden bei ihrer Ankunft in Schweden ein bares Kapital von 6000 Reichsthalern aufzuweisen haben sollten;