Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 4 · p. Seite 430

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 4
Article
Zur Redaktion der Mischna
Date
1907-01-01
Page
Seite 430 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829803-2829808-2887767--35493-2887830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

430 Zur Redaktion der Mischna. einander aufgeführt, ohne daß dabei bemerkt wird, welche von ihnen als maßgebend und als Norm für die Praxis anzusehen sei1). Ist es denkbar, so könnte man fragen, daß die Mischna dies zu tun unterlassen haben würde, wenn sie wirklich lediglich den Zweck verfolgte, die »Halacha zu lehren?« Diese Erscheinung ist so auffällig, daß man viel eher geneigt sein dürfte, der Vermutung Raum zu geben, die Mischna habe, weit entfernt, die Norm für die religiöse Praxis feststellen zu wollen, vielmehr ihre' Aufgabe auschließlich darin erblickt, als treue Berichterstatterin die vorhandenen Halachas so, wie sie ihr vorlagen, zu registrieren und weiter zu tradieren, sowohl diejenigen, die unbestritten und allgemein giltig waren, als auch diejenigen, gegen welche sich Meinungsverschiedenheiten geltend machten, als endlich auch solche, welche überhaupt noch unter den Tannaim controvers waren. Dies scheint auch in der Tat die Auffassung Krochmals (a. a. O. 169 a) gewesen zu sein. Namentlich aber ist es Weiß2), der mit aller Entschiedenheit die Ansicht vertritt, daß die Mischna keineswegs die Absicht gehabt hat, die Haiacha zu kodifizieren, sondern daß sie nur ein halachisches Sammel- und Quellenwerk bieten wollte. Daß diese Auffassung indessen vollständig irrig und hinfällig sei, ist nicht schwer nachzuweisen. Zunächst kann die Mischna unmöglich als eine bloße Sammlung sämtlicher Halachas angesehen werden. Denn abgesehen davon, daß sie ja tatsächlich, wie bekannt, viele Halachas überhaupt nicht aufgenommen hat, vermissen wir auch bei den in ihr vertretenen Halachas sehr oft die Anführung sämtlicher Meinungsverschiedenheiten. Vergleicht man nämlich die einzelnen Halachas der Mischna mit den ihnen entsprechenden in derTosefta und den . * *) Von. den sehr vereinzelten Ausnahmefällen wird noch später «die Rede sein. *) Zur Geschichte der jüdisch. Tradition II, 183f und 209f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.