Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Biblische und babylonische Religion
- Date
- 1907-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829803-2829808-2887765--35446-2887785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Biblische und babylonische Religion. Eine Skizze. Von ]Emil Behrens. Welches auch immer die Urstufe des Monotheismus in Israel gewesen sein mag — so wie sich jetzt in der hl. Schrift die Gottesidee kristallisiert hat, ist sie durch eine Ewigkeit von der babylonischen geschieden. Fast noch schärfer als zwischen der Philosophie eines Aristoteles und der griechischen Volksmythologie ist der Gegensatz zwischen Bibel und Babel. Will man durchaus eine Parallele zu Babel finden, so liegt der Vergleich mit der hellenischen Götterwelt ungleich näher. Nur deucht uns, die babylonischen Götter seien ein gut Teil plumper und häßlicher als das heitere Völkchen der Olympier. Nichts Kindlicheres, nichts jedenfalls, was so sehr im Anthropomorphen und Körperhaften stecken geblieben wäre, kann es geben als die Art, wie sich der Babylonier (und Assyrer) seine Götter vorstellt. Nicht davon zu reden, daß, was ein echter babylonischer Gott sein will, eine kindergebärende Genossin haben muß — dieser Gott verschmäht es auch nicht, an süßem Wein sich zu berauschen, mit seinem Mitgott um das Opfer sich zu balgen (»fliegengleich sammelten sich die Götter um den Opferer«), hat seine Lust am Weidmannsheil und jagt gleich einem Großkönig im Waldrevier der Wildochsen flüchtige Herde. Aber lassen wir einmal dem Babylonier selbst das Wort, hören wir eine Darstellung der Hochzeit eines der baby- Ionischen Hauptgötter, des Schreiber- und Geschäftsgottes Nabu1). »Am zweiten Ijjar (Name des zweiten Monats)... wird Nabu zur Brautschaft bekleidet mit der Göttlichkeit Gewand. Aus Ezida (seinem Tempel) geht er zur Nachtzeit strahlend hervor. Wie der Mond bei seinem Aufgang, erhellt er die Finsternis. Nach Echarschaba (Name eines Tempels) lenkt l) S. meine »Assyr.-Babyl. Briefe kult. Inh.« S. 38 Anna. 1. Monatsschrift, 51. Jahrgang25 .־