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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 3 · p. Seite 369

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 3
Article
Zur Geschichte der Juden in Krotoschin
Date
1907-01-01
Page
Seite 369 (sequence 11)
Language
German
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Zur Geschichte der Juden in Krofoschin. 369 bereits in den Jahren 1728—30 eine Großgemeinde war mit einem Beamtenkörper von etwa 12 Personen und einem sehr hohen Etat für die damaligen Verhältnisse. Es beweist zugleich; daß der Schloßherr Potocki ebenso duldsam wie gerecht gewesen ist. Auch folgende Erzählung, entnommen den Totenbuch der Synagogengemeinde, kennzeichnet das Gemeindeleben und die humane Gesinnung dieses edlen Fürsten: Ein pflichtvergessener Friedhofsdiener beraubte in finsterer Mitternachtsstunde die im Schoße der Erde ruhenden jüdischen Leichen ihrer Totenkleider und verkaufte diese zu mäßigem Preise. Die aus Holz verfertigten, am Grabe befestigten Denkmäler, welche die Namen der Verewigten trugen, wurden von ihm entfernt und Schaufeln, Löffel und Bänke daraus verfertigt und auf dem Markte feilgeboten. Als er einmal ein Kinderhemd verkaufen wollte, schöpfte man Verdacht und stellte ihn zur Rede. Er gab zu, dieses Hemd und noch viele Kleidungsstücke den Leichen entwendet zu haben. Der Diebstahl und das Verbrechen der Leichenschändung wurden zur Anzeige gebracht. Der Gerichtshof vom Schlosse verfügte, den Diener in Haft zu nehmen. Auf dem jüdischen Friedhofe wurde dann, in Gegenwart eines jüdischen Richterkollegiums unter Vorsitz des berühmten Rabbiners Mendel, und in Anwesenheit der vornehmsten Mitglieder der Gemeinde, die mit Totenkleidern erschienen waren, um die beraubten Verstorbenen wieder zu bekleiden, der Diener einem strengen Verhör unterzogen. Der Dieb machte die Gerichtsbehörde auf viele geschändete Gräber aufmerksam und meinte zugleich, er könne nicht mehr alle entweihten Grabstätten angeben,־ weil er sich nicht genau erinnere. Man öffnete viele Gräber und fand seine Angaben bestätigt. Der Berichterstatter dieses erschütternden Ereignisses erzählt, man hätte auch das Grab Monatsschrift, 51. Jahrgang. ■ 24

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