Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Redaktion der Mischna
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 24)
- Language
- German
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314 Zur Redaktion der Mischna. Überlieferung der Halachas; die Form der Traditionslehre in der n a c hsopherischen Periode war nicht der Midrasch, sondern die abstrakte Halacha und sie blieb es auch bis in die späteste Zeit, auch dann noch, als es bereits vollständige Midraschwerke gegeben hat1). lehnungen überhaupt nicht die Rede sein kann. Sehen ־wir uns die Stellen etwas genauer an, so handelt es sich bei ihnen nicht, wie sonst, um einzelne Gesetzesbestimmungen, sondern teils um ein, in gewissen Fällen zu beobachtendes fortlaufendes Ver- •fahren, teils um zusammenhängende Reden oder Bekenntnisse bei gewissen Anlässen, wobei aber Verfahren wie Reden in der Schrift selbst genau fixiert sind und der Halacha nur den Kommentar hierzu zu liefern übrig blieb. Je ein Beispiel für diese Fälle mag dies verdeutlichen. Negaim XII, 5 beginnt mit der Frage: »Welches ist das Verfahren bei Besichtigung des (vom Aussatz befaLIenen) Hauses?« כיצד ראיית הבית־. Die Antwort darauf gibt das Schriftwort selbst, für die Halacha erübrigte nur, ihre ergänzenden und erläuternden Bem erklungen darin einzuflechten, und damit vergleiche man auch Jebamoth XII, 6 und Sota IX, 5—6. Ebenso wird Maasser scheni V, 10 die Frage aufgeworfen : »Welcher Art war das (Zehenten-) Bekenntnis?« כיצד הי' הוידוי. Der Wortlaut des Bekenntnisses ist durch die Schrift selbst gegeben; was der Mischna allein Vorbehalten blieb, das war, ihn mit ihrem halachischen Kommentar zu begleiten, und genau dasselbe ist der Fall'Sota VIII, 1—2 und 5—6, wo es sich um die vom Hohenpriester, bzw. den Beamten vor dem Kampfe zu haltenden Ansprachen handelt. Wie gern die Mischna aber überhaupt an das Schriftwort sich anlehnt, können wir am Seder Joma sehen. Die daselbst angegebene Ordnung für den Tempeldienst am Versöhnungstage ließ sich freilich an das Schriftwort schlechterdings nicht anreihen. Gleichwohl hat die Mischna auch hier nicht verabsäumt, da, wo sich nur eine Möglichkeit dazu bot, an dasselbe anzuknüpfen, wie der Eingang von V, 5 und die Stelle ויצא ועשה את אילו ואת איל העם, VU, 3. ergeben. Noch deutlicher zeigt sich dies Baba Bathra VIII, 2, wo doch schlechterdings ebenso wenig von einer Midrasch-Entlehnung als von einer Midrasch-Form die Rede sein kann. Was aber endlich Sanhedrin X, 5—6 anlangt, so weist die Formel ככא] אמרו, wenn sie nicht etwa ein späterer Zusatz ist, allerdings deutlich auf den Midrasch als Quelle hin, aber ebenso deutlich auch auf seinen, jungen Ursprung. *) Die ersten Mischnalehrer, auf welche halachische Midrasch-