Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Juden im Mittelalter
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 13)
- Language
- German
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Die ־wirtschaftliche uv soziale Bedeutung d. Juden im Mittelalter. 269 typisch mittelalterlichen Art, technische Errungenschaften zu verbreiten, die Kenner dieser Technik, in diesem Falle Juden von den griechischen Inseln, in seinem Reiche ansiedelte.1) Wie außerordentlich gerade für dieses ueapolitanische Reich die Teilnahme der Juden am Handwerk ist das mag eine letzte Tatsache illustrieren. Als im Jahre 1492 die Geistesfinsternis Ferdinands und Isabellas die Juden aus Spanien und damit auch aus den zu Spanien gehörenden Neapel vertreiben will, da geht es wie ein großer Schrei der Entrüstung durch das neapolitanische Land. Verschiedene große Kommunen Siciliens2) erlassen eine eindringliche Petition zugunsten der Juden, mit der Begründung, daß die Vertreibung der Juden ihnen ihren, ganzen Handwerkerstand rauben und ihre wirtschaftliche Existenz untergraben würde. Ich darf es mir umso eher ersparen, die Belege für die Teilnahme der Juden an handwerksmäßiger und zürn Teil auch agrarischer Produktion zu häufen, da diese Verhältnisse sich in den unter gleichen Bedingungen wirtschaftenden Ländern bis auf unsere Zeit forterhalten haben. In den mohammedanischen Staaten liegt noch heute vielfach ein großer Teil des Handwerks in jüdischen Händen, und in unserer näheren Nachbarschaft finden wir in Polen und Rußl.-md ganz die gleichen Verhältnisse. Ebenso aber, wie in den hier behandelten Ländem die Juden in der ganzen Breite des wirtschaftlichen Lebens, in allen Befufsarten anzutreffen sind, so verteilen sie sich auch durch alle Höhenlagen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Baues. Es bedarf nicht der Hervorhebung, daß eine Bevölkerungsmasse, die zum großen oder überwiegenden Teil von der Hände Arbeiten, vielfach selbst den allerprimitivsten mechanischen Arbeit sieh nährt, zu gutem Teile aus gering oder gar nicht bemittelten Elementen bestehen muß. Doch wenn so die Juden wirtschaftlich bis in die unterste Stufe x) Qädemann a. a. O. S. 287. ף a. a. O. S. 288 ff.