Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Juden im Mittelalter
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 12)
- Language
- German
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268, Die wirtschaftliche u. soziale Bedeutung d. Juden im Mittelalter. wie es ausgeschlossen ist, daß die Juden in Polen oder Littäuen existieren .könnten, .wenn, sie ausschließlich auf dein ' Handel angewiesen wären, es auch undenkbar ist, daß die ,Hünderitausende . spanischer Juden .In überwiegendem Mas'^fr: Im;• 16re Näbrung gefunden .haben, Es ist Hier nich t . moglfch,.für alle einzelnen Länder im besonderen zu belegen, daß wir das ganze; Mittelalter hindurch die Juden in ihnen ais, Handwerker und vielfach auch als Landwirte tätig finden, Hur; einz elne besonders prägnante Beispiele .seien, noch hervorgehoben. Ein Gewerbe, das den Juden ganz besonders viel zu dapken fiat, ist der Seidenbau und vielleiciit im Zusammenhänge mit ihm die Färberei. Vom jüdischen Seidenbau .berichtet,uns zuerst der bekannte jüdische Weltreisende aus dem 12, Jahrhundert, Benjamin v. Tudela. Seine knappen Notizen werfen ein flüchtiges Licht auf die Juden eines Landes, deren Geschichte sonst in tiefstes Dunkel, gehüllt ist. Wir erfahren, daß zu seiner Zeit in Griechenland eine Reihe großer und blühender (jehieindeti vorhanden ist, die sich fast durchwegs von Ackerbau und Handwerk ernähren und die ganz besonders den Seidenbau zu ihrer Spezialität gemacht haben1). Von Griechenland aus ist die Seidenkultur zu den italienischen Juden gedrungen, welche sie zunächst fast ausschließlich in ihren Händen hatten und auf die in letzter Linie die bis in unsere Tage hinein blühende Seidenzucht Italiens zurückgeht2). Diese Erscheinung läßt sich vielleicht in den größeren Zusammenhang einreihen, daß die im byzantinischen Reich erhaltenen Reste älter technischer Kultur schon während der zweiten Hälfte des Mittelalters allmählich ihre Renaissance erleben. Die Juden finden wir in diesem Prozeß auch sonst tätig. Wir erfahren, daß der große Staufenkaiser Friedrich II. bestimmte feinere landwirtschaftliche Kulturen in sein Reich verpflanzte, indem er nach der '-'•*) Vgl; Ed.• Grünhut und Adler S; 14ff; - י״ י) Vgl; Güdemann a. a. O. S. 68 u. 242/ '