Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 1)
- Language
- German
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-M6 Besprechungen. Rasch!, der Kommentar des Salomo b. Isak über den Penta- -:leuch. Nach Handschriften, seltenen Ausgaben und dem Talmudkom- ׳mentar des Verfassers mit besonderer Rücksicht auf die nachgewiesenen ״Quellen kritisch hergestellt von Prof. A. Berliner. Zweite, ganz um- ,:gearbeitete Auflage. Gr^ 8° XXVII. J. Kaufmann, Frankfurt a. M. 1905. Prof. A. Berliners Raschi:Werk, das uns in zweiter, ganz umgearbeiteter Auflage vorliegt, ist die bedeutendste Erscheinung der ״vorjährigen Raschi-Literatur, die das Andenken des Altmeisters von Troyes zu ehren berufen ist. Nicht der Anlaß hat es geschaffen, der flüchtige Umstand, daß wir die achthundertjährige Wende seines Todes feierten, sondern ein auf das innigste Verständnis des Kommenfars eindringendes Studium, eine vierzigjährige Arbeit, die mit liebevoller Hingebung jeden Satz des volkstümlichen Schriftauslegers auf ׳die Quellen prüft, den im Laufe der Zeit durch Zutaten verunstalteten, von den vielen Abschreibern oft geschädigten Text in seiner ur- -sprünglichen reinen Gestalt herstellt. Daß dieses Bestreben das einzig richtige wissenschaftliche ist, muß vor Allem hervorgehoben werden. IRaschi hat viele Schildträger, die für ihn in die Schranken treten, den Erklärer zu erklären und zu verklären suchen, ein Beweis, daß seine Schriftauslegung in die weitesten Kreise drang, besonders sein Thora- )kommentar zu einem wahren Volksbuche wurde, welches einen wohltätigen Einfluß auf das jüdische Gesamtbewußtsein ausgeübt hat. Die hervorragendsten rabbinischen Autoritäten haben sich mit demselben beschäftigt, die Erklärung hat das Targum verdrängt, sie bildete den *Gegenstand mancher homiletischen Betrachtung und wurde ein Schulbuch, welches in das Studium der heiligen Schrift viele eingeführt hat. Es liegt ein eigentümlicher Reiz in dem Kommentar, der noch ,heute auf das Gemüt einwirkt; seine frische Anmut zieht den Leser an, weil die lebensvollen Eindrücke, die der Verfasser gesammelt, stets den prägnanten Ausdruck finden. Unvergleichlich höher :steht, was den allgemeinen W,ert betrifft, der Talmudkommentar und doch hat Raschi seinen Ruhm eher seiner Bibelexegese zu verdanken. Diese Schriftäuslegühg, wenn auch eine subjective, stimmt zur Andacht, erbaut Groß und Klein. In einer reinen Stimmung geboren, hat sie ihren Weg zu den Herzen gefunden und bildete im inneren Xeben des jüdischen Volkes einen gewaltigen, erziehlichen Kulturfaktor. Wie die Volksseele keine Perspektive der Zeit und des Raumes