Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 760 (sequence 2)
- Language
- German
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760 Besprechungen. glücklichen Ausführung des leitenden Textwortes liegt der eigenartige Reiz und Vorzug dieser Sammlung. Kraftvoll und markig behandelt der Verfasser die Probleme, deren Erörterung ihm am Herzen liegt, freimütig und wahrhaftig, mit zartem Takt und heiligem Ernst beurfeilt er die Fragen, die gerade heute das allgemeine Interesse in Anspruch nehmen. Dem gegenüber׳will es freilich nicht eben viel besagen, daß an manchen Stellen die Form durch die Fülle und die Reichhaltigkeit des Stoffes beeinträchtigt und nicht durchwegs mit derselben Sorgfalt behandelt wird. Und doch muß ausgesprochen werden, daß die Predigt ihrem Zweck nur gerecht wird, nur unmittelbar und nachhaltig wirkt, wenn Gedankengebung und Form gleichmäßig beachtet und gepflegt werden. Die Kanzelrede — als zu den edleren und höheren Ausdrucksformen menschlicher Sprache zählend — muß danach streben, zum Kunstwerk, zu künstlerischer Vollendung sich zu erheben. Der Sammlung sind zwei Sabbathreden beigegeben. In der Predigt zu Sabbath Hachodesch (1) wird der gewiß geistvolle Versuch unternommen, den jüdischen Kalender auf der Kanzel darzustellen. Ich fürchte, daß solche Experimente an der Sprödigkeit des Stoffes scheitern müssen, daß vor allem dem Zuhörer das Interesse daran fehlt. Die Neujahrsabendpredigten folgen in Anlage und Ausfiihrung den Mustern der alten Schule, die jüngere Predigergeneration wird sich mit dieser Form nicht mehr befreunden können. Im ein- 2elnen sei endlich noch bemerkt: die Überschriften geben nicht immer die richtige Vorstellung von dem Inhalt. Das »Amen« am Ende der Einleitung ist nicht mehr gebräuchlich. Bei der Übersetzung von Bibelversen sollte man sich davor hüten, der deutschen Sprache Gewalt anzutun, trotzdem wird sich das eigentümliche Kolorit des Originals wahren lassen. Druckfehler sind nach Möglichkeit vermieden worden. Durch diese Ausstellungen wird der hohe Wert der Sammlung gewiß nicht beeinträchtigt. Sie ist eine willkommene und erfreuliche Bereicherung unserer Predigtliteratur. Breslau. S. Behrens.