Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 759 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen. 759 Gronemann, S. Dr,, Landrabbiner, Predigten für alle Feste des Jahres. Frankfurt a. M,, J» Kauffmann, 1906. 216 S. 8°. Wir leben in einer gewaltigen, sturmbewegten Zeit, bedeutsame Wandlungen vollziehen sich im Geistesleben der Völker, und in den Strömungen und Strebungen der Gegenwart. Neue Fragen fauchen auf, neue Probleme werden von der Wissenschaft formuliert und mit bemerkenswerter Schärfe richten sich ihre Vorstoße nicht so sehr gegen jede positive Religion überhaupt, als vornehmlich gegen das Judentum als solches, ln erster Linie gilt es, sich mit dem Gegner wissen schaftlich auseinanderzusetzen. Kein Zweifel, daß das Judentum diesen Kampf in Ehren bestehen und seinen alten, wohlerworbenen Besitzstand wahren wird. Wie weit diese Forderung gegenwärtig verwirklicht wird, muß in diesem Zusammenhang aus der Betrachtung ausscheiden. Aber nicht minder erwächst dem Prediger die ernste und gebieterische Pflicht, zu den Fragen, die seine Zeit bewegen, Stellung zu nehmen, sie unter religiösen Gesichtspunkten zu erörtern und zu beurteilen. Es versteht sich, daß er nicht den strengen, wissenschaftlichen Rahmen innehalten kann, sondern die populäre Darstellung als gangbaren Weg erwählen mnß. Der alte Einwand, den man gegen gedruckte Predigtsammlungen geltend macht, daß ihnen notgedrungen die Kraft des gesprochenen Wortes fehle, erscheint hinfällig, sobald diese Voraussetzungen erfüllt sind. Durch eine stattliche Reihe klassischer Muster ist längst der Beweis erbracht worden, daß die jüdische Kanzelrede weit über die Gemeinde und die festliche Stunde hinaus, für die sie bestimmt ist zu wirken und Aufklärung und Belehrung in hohem Maße zu verbreiten vermag. Weiten Kreisen unserer Glaubensgemeinde ist nur selten, oftmals nie Gelegenheit gegeben, aus berufenem Munde das Wort Gottes zu vernehmen. Diesem Übelstande innerhalb seines Bezirkes abzuhelfen und seinen Gemeinden ein Buch häuslicher Belehrung und Erbauung zu bieten, dieser Absicht will zunächst die vorliegende Sammlung dienen. Aber diese Predigten dürfen auch über die Grenzen ihrer ursprünglichen Bestimmung hinaus besondere Beachtung beanspruchen. Gründliche Beherrschung und Kenntnis vor allem der midraschischen Literatur, reiche Lebenserfahrung und Tiefe des religiösen Empfindens, leihen diesen Reden ihr eigentümliches, individuelles Gepräge. In der Sicherheit und Klarheit des Aufbaues und in der