Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 5 · p. Seite 625

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 5
Article
Ein alter Fehler im Talmudtexte [Nachricht]
Date
1906-01-01
Page
Seite 625 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829795-2829801-2887173--34870-2887304
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Notizen. 625 Ein alter Fehler im Talmudtexte. In Temura 16 a tradiert Jehuda (b. Jecheskel) eine Dichtung Samuels über die Lücken, welche'die Tradition nach dem Tode Moses’ erlitt. Sie lautet : Dreitausend1) Halachasätze wurden in den Tagen der Trauer um Moses vergessen. Man sagte Josua: Frage! Er antwortete: »Sie ist nicht im Himmel« (nach Deut. 30, 12). Man sagte Samuel: Frage! Er antwortete: »Dieses sind die Gebote, die der Ewige dem Moses an die Kinder Israels auf dem Berge Sinai geboten hat« (Lev. 27, 34). Daraus folgt, daß kein Prophet befugt ist, fortan etwas neu zu bestimmen2). — Der Sinn der Dichtung ist klar. Die Gesamtheit der mündlichen Lehre empfing Moses am Sinai und tradierte sie Josiia (Aboth i, 1). Die vergessenen Bestandteile derselben kann weder Josua durch neue göttliche Eingebung wiedereriangen, noch in späterer Zeit Samuel durch prophetische Autorität ersetzen. Josua ist als erstes Glied der Traöilionskette nach Moses genannt, Samuel als der erste mit Namen bekante Prophet nach Moses (vgl. Jerem. 15, 1). Nach dieser Dichtung des babylonischen Amora Samuel folgt eine ganz ähniiche Dichtung des palästinensischen Amora Jizchak Näppacha. Sie unterscheidet sich von der Samuels nur darin, daß nicht Josua und Samuel, sondern. Pinchas und Eleasar aufgefordert werden, }die Lücken, welche durch Vergeßlichkeit in dem Traditionsstoffe entstanden waren, auszufüllen3). Unter Eleasar ist natürlich der Sohn Aharons und Vater Pinchas’gemeint. Wie kommt es nun, daß in der zweiten Dichtung erst Pinchas, der Sohn, und dann Eleasar, der Vater, aufgefordert wird? Aber abgesehen hievon, muß es als unverständlich erscheinen, daß Eleasar eine Antwort in den Mund gelegt wird, die nur für einen Propheten passend ist. Unbedingt muß angenommen werden, daß ursprünglich in der Dichtung Jizchak Nappachas an zweiter Stelle, ganz wie in der Samuels, ein Späterer und zwar ein Prophet genannt war. Ich glaube nun, durch eine kleine Korrektur den ursprünglich genannten biblischen Namen in sein Recht einsetzen zu können. Anstatt אלעזר ist אליהו zu lesen; aus einer Abkürzung dieses letzteren Namen, אלי, 1) Im Jalkut zu Leviticus Ende : dreihundert. 2) Ein oft wiederholter Satz des Sifrä z. St. *) Raschi erwähnt Mnemonica, die drei Lesearten in bezug auf die Reihenfolge der Namen in beiden Djchtungen bezeichnet: 1. ישפ״א (so muß gelesen werden), d. i. die im Texte stehende Reihenfolge; 2. יא״פש, also bei Samuel : Josua, Eleasar, bei Jizchak Nappacha: Pinchas, Samuel; 3. יפ״לל, d. h. bei dem einen: Josua, Pinchas, bei dem anderen: Eleasar, Samuel. Monatsschrift, 50. Jahrgang. 40

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.