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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 5 · p. Seite 534

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 5
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 534 (sequence 22)
Language
German
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534 Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. {jroßkönig fern halten und in der Mitte zwischen ihnen und dem Großkönig war ein Vorhang, an dem ein eigener Beamter angestellt war1). Ist doch bekanntlich der persische König Vonanes gerade deswegen gezwungen worden, seinen Thron zu verlassen, weil er sich in der Öffentlichkeit häufig sehen ließ2). Nach alledem gestaltet sich der Gang der Handlung in der Esthererzählung streng historisch etwa folgendermaßen: Nachdem Ahasveroä, der ungefähr um das Jahr 485 den persischen Thron bestieg, die ägyptischen Aufstände unterdrückt hatte3), hielt er im dritten Regierungsjahre in Susa eine große Ratsversammlung zur Vorbereitung auf den griechischen Feldzug ab4), zu der alle hohen Staatsbeamten des gesamten persischen Reiches eingetroffen waren5). Am Schlüsse dieser mehrere Monate währenden Konferenzen und Audienzen bereitete der König für seine Gäste ein siebentägiges Gastmahl6). Gelegentlich einer Tafelunterhaltung, die der König mit seinen ausländischen Gästen pflegte, kam man auf schöne Weiber zu sprechen, wobei sich Ahasveros seiner schönen Favoritin rühmte und in seinem angeheiterten Zustande sich dazu verstieg, sie dazu auffordern zu lassen, sich den Gästen zur Schau ג) Masudi bei Spiegel a. a. O. Vgl. auch Herod. 3, 18. а) Tacitus, Annalen 2, 2—3. 3) Herod. 7, 2, 4, Ktesias 19—22. 4) Herod. 7, 10. 5) Geht außer aus Esther 1, 2—10, auch aus Herod. 7, 61—99, deutlich hervor. б) Gastmähler von solcher Dauer sind in der orientalischen Geschichte sehr häufig. Allein das darf nicht so naiv aufgefaßt werden, als hätten die Gäste 7 Tage lang gezecht und geschmaust, sondern es ist das so zu denken, wie etwa die heutigen Hoffeierlichkeiten bei den großen Kaisermanövern, denen hunderte in- und ausländischer Volks- und Militärrepräsentanten als Gäste beiwohnen die während dieser ganzen Zeit — 10 bis 14 Tage — in der feierlichsten Weise an der königlichen Tafel teilnehmen.

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