Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 493 (sequence 1)
- Language
- German
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493 Besprechungen. Abrahams Isr. M. A.: Festival siudies, being thoughts on the Jewish year. London, Macmillan and Co. 1906, 196 SS., 8. Der Verfasser verwahrt sich im Vorwort gegen eine allzu strikte Auffassung des Titels »studies« für seine 24 durchwegs interessanten Aufsätze über Themata, die an die Festzeiten des jüdischen Jahres anknüpfen. Die erschöpfende Gründlichkeit freilich und die Systematik, die wir in desselben Verfassers Jewish life in the middle ages schätzen, ist der Natur der Sache nach in diesem Büchlein nicht zu erwarten. Alle die erwähnten Essays, bis auf vier, sind im Zeiträume von 1887—1905 nacheinander im Jewish Chronicle erschienen und zum Teil unverändert wiedergegeben. Ihre Sammlung zu dem vorliegenden Bande verdient Dank und Anerkennung. Sie bekunden überall ein liebevolles Sichversenken in das Empfindungsleben der jüdischen Volksseele, wie es in den Festgebeten und frommen Bräuchen zutage tritt. Wir konstatieren dies mit um so größerer Freude und Genugtuung, als wir mit der auch vom Verfasser begünstigten modernen Londoner unionistisch-jüdisehen Bewegung weniger einverstanden sind. Die feinsinnigen Deutungen der Bräuche, die alle recht beachtenswert sind, sind fast alle des Beifalls der Leser gewiß und bieten mannigfache Anregung. Wie bei der bekannten Gelehrsamkeit des Verfassers zu erwarten, ist das Buch auch reich an Belehrung. Wir sind in Verlegenheit, welcher von diesen geist- und gemütvollen Plaudereien wir den Vorzug geben sollen. Denn leicht wie Plaudereien — (causeries, sermones) — lesen sie sieh alle, fast ohne daß der Leser es merkt, daß sie nur mit Hülfe einer gründlichen Gelehrsamkeit verfaßt werden konnten. Auf das Passahfest beziehen sich fünf, auf das Wochenfest zwei, das Hüttenfest fünf, Rosch ha־Schana und Jom-Kippur fünf, Tischo be-Aw einer, Chanuka einer, Purim drei, von Hallei und von Adon Olam handelt je ein Aufsatz. Auch wo man dem Verfasser nicht zuzustimmen bereit sein wird, wird man von seinen Bemerkungen, seiner pietätvollen Gesinnung sympathisch berührt. Der nach einer Tradition bestehende Zusammenhang zwischen dem Öffnen der Tür am Sederabend und der Zuversicht auf die Ankunft des Messias, wie auch der Benennung dieser Nacht als Lei Schimmurim — die Richtigkeit dieser Ansicht mag zweifelhaft erscheinen — bietet Anlaß zu dem Hinweis auf den unerschütterlichen Optimismus der Juden, der sich in dem Festhalten an diesem Namen trotz alles gerade