Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Leon Elias Hirschel
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 435 (sequence 10)
- Language
- German
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Leon Elias Hirschei. 435 Wenn die Nachwelt jene Schwärmer, die aus Einfalt ihre Nebenmenschen verdammen, oder die aus einer bösen Quelle des Herzens ein gleiches thun, schon lange wird vergessen haben, und nur etwan jener noch aus Mitleiden und dieser mit Abscheu, als eines Andenkens der alten Barbarey sich erinnern wird, muß noch der Name eines menschenfreundlichen Eberhardts blühen. Noch im Jahre 2440 wird man die neue Apologie des Sokrates eines Eberhardts mit Beyfall und Vergnügen lesen. Der Herr erhalte Sie, theuerster Freund! als einen wahren und treuen Hirten Ihrer Heerde, zum Nutzen des ganzen wahrheitsuchenden menschlichen Geschlechts, und als einen Weltweisen, zum Vergnügen derjenigen, welche die wahre Weltweisheit verehren, und lasse Sie noch lange ein Beyspiel billiger Duldung seyn! Wie glücklich! wenn alle Menschen die wahre moralische Gesinnung meines Freundes hätten und es unter die Merkmale der wahren Liebe des Nächsten rechneten, keinen ihrer Nebengeschöpfe von der ewigen Glückseligkeit attszuschlüßen, wozu die Menschen doch gewiß bestimmt sind! Sobald sich die Menschen nicht mehr unter sich selbst verdämmen, und sich überhaupt unter sich in Ansehung eines so wichtigen Punkts, die unsre künftige Glückseligkeit betritt, nicht mehr veruneinigen werden; so glaube ich werden viele Laster und unbillige Feindseligkeiten von selbst wegfallen. Ohne mich über einen so wichtigen Punkt weitläufiger einzulassen, empfehle ich mich Ihrer fernem duldenden Liebe, verehre Sie aufrichtig und bin mit unveränderlicher Hochachtung Ew. Ehrwiirden ergebenster Diener und Freund. Wie aus dieser Widmung und anderen Stellen der Hirschelschen Schriften hervorgeht, bemühte sich der christliche Prediger eifrig, dem jüdischen Arzte vor allem durch Zuführung von Kranken seine Gönnerschait zu beweisen und dadurch zu bezeugen, daß die von ihm gelehrte Toleranz mehr als ein theoretischer Grundsatz war. Solcher Annehmer bedurfte Hirschei umsomehr, als die trüben Verhältnisse in seinem Elternhause sich immer ungünstiger gestalteten. Um sich von allen diesen Nöten und Mißhelligkeiten einmal frei zu machen, verließ er nach zwei Jahren die Hauptstadt und begab sich gegen Ostern 1765 nach dem Posenschen, um hier, in Posen selbst, 28*