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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 434

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
Leon Elias Hirschel
Date
1906-01-01
Page
Seite 434 (sequence 9)
Language
German
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434 Leon Elias Hirschei. sohn nie verlassen hat. Hirschei spöttelt in einer seiner Schriftenx) über die Leute, die noch so sehr in der Finsternis leben, daß sie »dem höchsten Wesen mit körperlichen Kasteiungen, als fürnehmlich durch Fasten und Enthaltsamkeit von Essen und Trinken, einen sonderbaren Dienst zu erweisen glauben«. Er hatte damit eine der heiligen Ideen seines väterlichen Glaubens, diejenige des Versöhnungstages, öffentlich profaniert und deutlich dadurch gezeigt, daß er jenen Ausgleich zwischen Wissenschaft und Religion, in welchem der weise Mose Dessau sich sein Lebenlang so glücklich fühlte, nicht gefunden hatte. Deshalb zog es den jungen Arzt viel stärker zu einem anderen Mann aus diesem Aufklärerkreise hin, der zwar auch ein Freund Mendelssohns, dennoch in seinen theologischen Anschaunngen dem weitgehendsten Freisinn huldigte, zu dem christlichen Prediger Johann August Eberhard1 2), dem Verfasser der »neuen Apologie des Sokrates«, dessen Ab- .sage gegen alle kirchlichen Dogmen selbst einem L e s s i n g in manchem Punkte zu weit ging. Außerordentlich anregend und anziehend im persönlichen Umgang, nahm sich Eberhard des jüdischen Arztes so tatkräftig an, daß dieser ihm eine seiner Schriften 3) mit wohltuenden Dankes- Worten widmete; sie sind so kennzeichnend für Hirscheis Anschauungen, wie für die Gefälligkeit seiner Sprache, daß sie hier ihren Platz finden mögen: Verehrungswürdigster Freund l Entschuldigen Sie mich, daß ich es wage, dero Namen einer geringen Schrift vorzusetzen! Dero Techtschaffener, mir schon seit geraumer Zeit bekannter Charakter läßt mich leicht Vergebung djeses dreisten Schrittes hoffen. Ich rechne mir es zur Schuldigkeit an, einem Mann, dessen gütiges Zutrauen mir oft Gelegenheit gegeben, bey manchen mir von Ihm anvei trauten Kranken gute Beobachtungen anzustellen, öffentlich Dank abzustatten. 1) Gedanken, die Heilungsart u. s. w., § 7. 2) ADB. V, 569; Geiger a. a. O. I, 354; Erdmanh, Gesch. d. Philosophie, her. v. Benno Erdmann, Berlin 1896, § 294, 11. s) Medicinische Nebenstunden, Berlin 1772.

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