Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Leon Elias Hirschel
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 4)
- Language
- German
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Leon Elias Hirschei. 429 eine öffentli che Schule besuchte. Nachdem er nämlich, den Ratschlag seiner Mutter aufnehmend, angefangen hatte, von selber die lateinische und die in der Schrift״ spräche ihm ebenso unbekannte deutsche Sprache zu erlernen, verschaffte ihm 1756 die Gunst des Ministers Karl L u d o 1 p h von Dankelman n1), zu dessen Geschlecht von jeher die Gumpertzsche Familie Beziehungen hatte, die Aufnahme in die zweitunterste Klasse des Joachimstha Ischen Gymnasiums, das er 1759 absolvierte. Jetzt freilich begannen erst recht die Sorgen und Mühen. Seine Eltern waren nicht in Verhältnissen, die ihm ein bequemes Universitätsstudium hätten ermöglichen können; er begab sich deshalb zu seinem Großvater, dem ehemaligen Oberhoffaktor Gumpertz, der damals seinen Wohnsitz von Berlin nach seiner Heimat Cleve zurückverlegt hatte, um ihn für seine Pläne zu gewinnen. Moses Levin war gerne bereit, das Studium seines Enkels zu fördern, soweit es in seinen Kräften stand; denn auch ihm war von der ehemaligen Herrlichkeit nur noch ein bescheidener Rest übrig geblieben. Er konnte jenem zwar nicht den Wunsch erfüllen, ihn nach der berühmtesten Lehrstätte der damaligen Zeit, nach Leiden, zu schicken; aber er ließ ihn im nahen Gelder- 1 an d die Universität zu Harderwijk beziehen, wo er an dem Professor Harstenburg einen hülfsbereiten Lehrer und Gönner gewann. Doch sein Studium fand einen schnellen und unerwünschten Abschluß durch eine heftige Kopfkrankheit, die ihn daniederwarf und dem Tode nahebrachte. Nach seiner Genesung begab sich Leon nach Berlin zurück und nahm hier 1760 und 1761 an den öffentliehen und privaten medizinischen Vorlesungen und Übungen teil, die für Studierende und Ärzte besonders am anakomischen Theater, in der Charite, am Hebammeninstitut 9 S. über ihn Acta Borussica, Behördenorganisation Bd. VIII, S. 50 und Register; er hatte seit 1750 das Direktorium der Universitäten und des Joachimsthaischen Gymnasiums; s. das. S. 636.