Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Leon Elias Hirschel
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829800-2887017--34654-2887077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Leon Elias Hirsch el. 427: allen Seiten strömten die Angehörigen der Verunglückten nach der schlesischen Hauptstadt; auch die Kinder Philipp Hirscheis eilten aus Wien, Hannover und Berlin, herbei, um das Grab des Vaters, das noch heute kenntlich ist, in Dyhernfurth aufzusuchen, und um seine Hinterlas-־ senschaft in Empfang zu nehmen. Sein Sohn Lazarus,״ der in Breslau selbst wohnte, war als erster an der (Jnglücksstätte gewesen und hatte, nachdem die Leichen ge-’ borgen waren, schleunigst mit den Aufräumungsarbeiten beginnen lassen, um das väterliche Besitztum in Sicherheit zu bringen; er konnte freilich nicht verhindern, daß von den, kostbaren Silber- und Goldgeräten und von den überaus wertvollen Juwelen, die zumeist das Vermögen Hirscheis ausmachten, gar manches unersetzliche Stück bei dieser Ge« legenheit verschwand. So blieb bei der Erbteilung für die Kinder nicht allzuviel übrig, und auch dieser Rest wurde noch vermindert durch die Kosten des langwierigen Prozesses,, der um die Hinterlassenschaft entstand. Am schmerzlichsten empfand den plötzlichen Tod des Vaters und den Zusammenbruch des einst so blühenden Wohlstandes im Elternhause der in Berlin verheiratete jüngste Sohn Elias. Er hatte dort Judith Gumpertz, eine Tochter des bekannten Oberhoffaktors, Friedrich Wilhelm I., Moses Levin Gumpertz,. zur Gattin erkoren1) und war nach der Hauptstadt übergesiedelt, um unter den Auspizien seines Schwiegervaters rascher voranzukommen. Aber seine Ehe und seine Hoffnungen enttäuschten ihn, und nur der Rückhalt, den ihm sein Vater gewährte, hielt ihn auch weiterhin aufrecht;, nun er diesen verloren hatte, bot sein Leben und sein Heim, noch viel weniger als zuvor das strahlende Bild des Glücks,^ der Sorglosigkeit und des vornehmen Wohlstandes, wie er es zu Hause stets vor sich gesehen hatte. l) Näheres über die Familien Hirschei und Gumpertz in der demnächst erscheinenden, von David Kaufmann s. A. begonnenen, und von mir fortgeführten Geschichte der Familie Gomperz.