Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 404

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
Das literarische Leben der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert
Date
1906-01-01
Page
Seite 404 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829795-2829800-2887015--34629-2887054
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

404 Das literarische Leben d. babylonischen Juden im vierten Jahrh. dies eine viel schwerere und verdienstvollere Arbeit, als sie für den ersten Augenblick erscheinen mag. Die alten Tannaim lehrten nie abstrakte Begriffe. Diese mußten erst aus den konkreten Fällen, welche die Lehrsätze enthielten, abgeleitet werden. Die Traditionslehre kann in ihrer Entwickelung mit einem geistigen Fruchtbaum verglichen werden. Aus den überkommenen Früchten der früheren Jahrhunderte werden von den Epigonen die Begriffe herausgeschält, die gleich dem Kerne, der, in den fruchtbaren Boden gesenkt, zu fruchtbringendem Keime wird, neue Sprossen treiben und Früchte zur Reife bringen, welche dann von den späteren Generationen eine gleiche Behandlung erfahren, wie bei ihren Ahnen in der Vorzeit. Das Hauptverdienst der babylonischen Amoräer dieser Epoche, zunächst aber das Verdienst Abajis war es, gemeinsam mit Raba aus den Traditionen der Tannaim, diese fruchtbringenden Keime herausgeschält und dadurch der jüdischen Wissenschaft zu neuen »Knospen und Blüten« — aZizim u־Phrachin«, wie der Talmud sagt — verholten zu haben. Es war das die Tätigkeit, die mit Abaji und Raba zum Abschluß gekommen, und die im Talmud als Hawajoth d'Abaji w’Raba bezeichnet wird. Man hat diese Art von geistiger Tätigkeit zu verschiedenen Zeiten verschiedenartig beurteilt Der Talmud selbst sagt an einer Stelle, daß. sie nicht so hoch zu schätzen sei, wie das Studium der hohen und erhabenen Gedanken über Gott und Welt, die in der Geheimlehre »Maasse Merkaba« niedergelegt sind1). Aber sie war unerläßlich, und ihre Notwendigkeit war dringender als die der letzteren. Denn es ist wichtiger zu wissen, wie wir leben und was wir zu tun oder zu unterlassen haben, als uns eine Vorstellung von dem höchsten Wesen und von der Weltschöpfung zu bilden2). Wie sagt doch ף Sukka 28 a. 2) Lazarus (Ethik S. 20) sagt von der religionsgesetzlichen Lebensführung, die zur Quelle der ethischen Belehrung und Erziehung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.