Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das literarische Leben der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 14)
- Language
- German
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:398 Das literarisqhe Leben d. babylonischen Juden im Werten Jahrh. des Urtextes, die, in unserer Zeit entdeckt, dem alten Schriftwerke zu einem neuen Dasein verholfen haben, nicht längst dem Untergange geweiht gewesen wären, hätte nicht dieser ben Saida zu lesen. Dem eigentlichen Grunde scheint nur Geiger in seinem Aufsatze : Warum gehört das Buch Sirach zu den Apokryphen? (ZDMG. 1858, S. 536—544) nahegekommen zu sein. Dieser bemerkt, daß die Ignorierung der Lehre von der Auferstehung der Toten, daß speziell Sätze wie 17, 30: »Der Mensch ist nicht unsterblich« und andere ähnliche, (sie wurden zusammengestellt und behandelt, von Gröbler in den Stud. u. Krit. 1879, S. 660), welche die Auferstehung in Abrede stellen, bei der Ausschließung des Sirachbuches neben anderen Dingen eine Rolle gespielt haben. Es ist aber merkwürdig, -daß auch Geiger den Zusammenhang in der Mischna außer acht gelassen, der die »Leugnung von der Aufstehung der Toten« als den Drund für die Ausschließung des Sirachbuches mehr als nahegelegt Die Mischna lautet: »Folgende haben keinen Anteil an der zukünftigen Welt«. »Wer da sagt, die Tora lehre nicht die Auferstehung, wer da sagt, die Tora sei nicht göttlich, und ein Epikuräer; R. Akiba sagt: Auch wer da liest in den ausgeschlossenen Büchern« (»wie im Buche Sirach« so jer. Sanhedrin X, S. 28 a). Es unterliegt darum keinen Zweifel, daß für R. Akiba die Leugnung der Auferstehung den Ausschlag gegeben, wie dies aus dem Zusammenhänge hervor- :geht. Daß aber R. Josef und dessen Schüler trotz heißen Bemühens, Schwächen im Sirachbuche zu entdecken, die von Geiger und Gröbler angeführten Stellen nicht fanden, hat seinen Grund darin, daß diese Stellen in den Sirachexemplaren zur Zeit R. Josefs tatsächlich nicht mehr standen. Schon Geiger hat (das.) darauf hingewiesen, daß der syrische Übersetzer des Sirachbuches der herrschenden Anschauung von der Unsterblichkeit dadurch Rechnung getragen habe, daß er einerseits manche Stellen, die der Lehre von der Unsterblichkeit widersprachen, wepließ, und andererseits Stellen einschaltete, welche die Unsterblichkeit lehrten. So z. B. lautet ein Satz im Sirachbuche 18, 9: »Die Zahl der Tage des Menschen (ist wenn) viel, hundert Jahre wie ein Tropfen aus dem Meere und ein Korn des Sandes, so die wenigen Jahre in dem Tage der Ewigkeit«. (Welt.) Der Syrer schaltet nach dem Worte »Sand« folgendes ein: אלף שני] מן עלמא ד.נא איך יומא בעלמא דצדיקא-. Noch ein anderes Beispiel bei Geiger das. In den zwei Jahrhunderten zwischen R. Akiba und R. Josef hat eben das Siiachbuch manche Wandlung erfahren. Nebenbei bemerkt, -könnten diese Stellen für die Echtheit der neu aufgefundenen Sirach-