Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das literarische Leben der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 386 (sequence 2)
- Language
- German
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386 Das literarische Leben d. babylonischen Juden im vierten Jahrh. immer das gelobte Land der gründlichen Traditions- Wissenschaft; diese verhielt sich zur babylonischen wie in unserer Zeit sich etwa die deutsche zur französischen ׳Gelehrsamkeit verhält. Diese ist geistreicher, jene aber ist tiefer, gründlicher. Sehr treffend kennzeichnet ein Gelehrter, R. Jizchak bar Jehuda, den Vorteil, den die größeren Traditionskenntnisse für die Praxis über den Scharfsinn bieten. Rabbi Jizchak hatte die Schule des scharfsinnigen Rami b. Chama verlassen, um das Lehrhaus des blinden, weniger scharfsinnigen, aber gelehrten R. Schescheth zu besuchen. Von Rami darüber zur Rede gestellt, sagte er diesem: »Wenn ich an dich eine rituelle Frage richte, so wirst du wohl eine recht logische Entscheidung treffen, aber bei aller Logik genügt doch die erstbeste Tradition, die dieser widerspricht, um deinen schönen geistigen Bau über den Haufen zu werfen. R. Schescheth hingegen ihat auf jede Frage eine alte Tradition in Bereitschaft; finde ich dann auch eine andere, welche der von R Schescheth beigebrachten widerspricht, so kann ich noch immer die eine Überlieferung der anderen gegenüberstellen und die erste Entscheidung aufrechthalten«1). Dieser Vorzug war es, der in halachischen Kontroversen zwischen den Größen Palästinas und denen Babylons für die ersteren -den Ausschlag gab. Darum trugen die Entscheidungen R. Jochanans, des großen Palästinensers, selbst über die des großen babylonischen Amoräerpaares Rab und Samuel den Sieg davon2). Am Ende unserer Epoche tritt aber die große Wendung zugunsten Babyloniens ein. x) Sebachim S. 96 b. 2) Vgl. Responsen des RSBA. (Salomon lbn Adreth.);Nr. 467 und den Kommentar des R. Ascher zu Sabbat 38a, wo er auch die Ansicht des R. Chananel mitteilt. Vgl. hingegen denselben Kommentar zu S. 145 das. u. Alfassi zu Erubin Abschn. VI, 20; wo ausgeiührt wird, daß man in allen Fällen, wo die Ansichten Rabs und Samuels gegen die R. Jochanans stehen, nach der Mehrheit zu entscheiden habe. Unbestritten aber bleibt es, daß, wo die Ansicht