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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 385

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
Das literarische Leben der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert
Date
1906-01-01
Page
Seite 385 (sequence 1)
Language
German
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385 Das literarische Sehen der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert. Von S, Funk. Nichts vermag den gewaltigen Umschwung, den die im vorhergehenden Kapitel1) geschilderten politischen Vor״ gänge in Rom im Leben der Juden herbeigeführt haben, so eindrucksvoll zu charakterisieren, wie der fast plötzliche Über״ gang der geistigen Hegemonie von den palästinensischen Hochschulen auf deren babylonische Schwesteranstalten. Wohl hat es seit dem Tode R. Jochanans, des größten palästinensischen Amora, einzelne Gelehrte in Babylonien gegeben, die, wie zum Beispiel R. Huna, ihre palästi״ nensischen Kollegen an Ruhm und Ansehen überragten2),, aber die Schulen »des Westens«, wie Palästina im Talmud bezeichnet wird, waren in ihrer Gesamtheit doch den: Schwesteranstalten weit überlegen3). Was ihnen an Geist, und Scharfsinn fehlte, wurde durch größere und gründlichere Kenntnis der Tradition mehr als ersetzt. Palästina hatte eben den großen Vorzug, Wiegenland der Traditions״ lehre gewesen zu sein. Auch minder bedeutende Gelehrte hatten da Gelegenheit, neue Traditionen zu sammeln, oder angezweifelte Überlieferungen auf ihre Echtheit zu prüfen. Sie brauchten bloß die Stätten zu bereisen, wo die großen Meister gelebt und gewirkt hatten, um neue Traditionen zu sammeln oder über die Richtigkeit älterer Überlieferungen Aufschluß zu erlangen4). Palästina war darum noch ף Jahrg. 49, S. 534 ff. 2) Megilla 22 a. s) Vgl. Baba bat. 41b, Schebuoth 48b u. a. St. im Talmud.. S. auch Rapap. Erech Millin S. 216 und Bd. 1 dieses Werkes. S. 10. 4) S. den oben (Bd. I, S. 10) angeführten Spruch der Weisen:: »Wo der Baum gefällt wurde, muß auch seine Frucht zu finden sein«. Aboda sara S. 31 a. Monatsschrift, 50. Jahrgang. 25

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