Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 333

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
Date
1906-01-01
Page
Seite 333 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829795-2829799-2886864--34547-2886960
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern. 333 Israeliten: Von keinem Leibe dürft ihr das Blut genießen; denn das Leben eines jeden Leibes besteht in seinem Blute — jeder, der es genießt, soll weggetilgt werden.« Das ist ohne Widerspruch geblieben damals in Endingen. Vielleicht, weil die Kundigen sich sagten, daß so Aberwitziges nicht einmal Widerspruch verdiene. Aber Israels Gelehrten muß es gesagt werden, daß man bei den Antisemiten so weit gekommen ist, die allgemeine menschliehe Ansicht des Altertums, jene Ansicht, welche von den monotheistischen Religionen allein das Christentum beibehalten hat, die Ansicht, daß das Blut des Opfers sühnt, als Urquell von Ritualmorden zu bezeichnen, die von denen begangen werden, denen jeder Blutgenuß an derselben Stelle als todeswürdiges Verbrechen von ihrer Gotteslehre verboten ist! Traurig ist dieses Kulturbild, es steht nicht höher als jene Blutlieder des Mittelalters. Aber es ist ein erneuter Beweis dafür, daß die Reinheit des Judentums seine Hasser blendet, so daß Finsternis sie umgibt, wo Israel Licht ist in allen seinen Wohnungen. Denn Israels Religion hat von allem Anfang an das Menschenopfer und Vergießen wie Genießen von Menschenblut streng verboten und als Sünde gegen Gott mit schwerer Strafe bedroht. Aber auch das Tieropfer, das Sprengen von Tierblut auf den Altar, ist, nachdem schon die heilige Schrift den Genuß auch dieses Blutes untersagt hatte, seit nunmehr 1836 Jahren, seit der Zerstörung des Tempels, streng verboten. Ein stellvertretendes Opfer aber kennt das Judentum nicht und hat es nie gekannt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.