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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 315

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Studien zum Buche Esther
Date
1906-01-01
Page
Seite 315 (sequence 27)
Language
German
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Studien zum Buche Esther. 315 mit einer Methode, wie derjenigen Wincklers, bei der man weder mit logischen Gründen, noch mit historischen Dokumenten ankommen kann, wissenschaftlich zu rechten ist Es ist wirklich, nicht angenehm, genötigt zu sein, sich mit solchen Spielereien wissenschaftlich auseinanderzusetzen. Und doch hat die Wincklersche Hypothese unglaublicherweise bei ernsten Männern wie Zimmern (KAT. 3, 519) und Jeremias (ATAO. 327) ihre Verfechter gefunden l1) (Schluß folgt). *) Künftighin — darauf muß man heute schon gefaßt sein — wird die talmudische Literatur auch für die Astralmythologie herhalten müssen.־ Stellen wie z. B. אמרו מד,״ש אתא שמשא אתא שמשא, אמר יעקב מי גלה להם ששמי שמש (Midrasch rabba Gen. cap. 68) ferner B. Megilla 18 a הקב״ה קראו ליעקב אל oder שראפיט זה יוסף (Aboda sara 43 a, diese talmudische Schreibart unterstützt die etymologische Ableitung des Serapis vom assyrischen sarapsu Gott des Chaos, vgl. Lehman, Babylon. Kultur, 1903, 43), ferner אבן טובה היה לאברהם אבינו וכשמת תלאו בגלגל חסה (Baba-bathra 16 a) werden die Verfechter der astralmythologischen Methode wohl auszunützen verstehen. Allein in Wirklichkeit weiß jeder Eingeweihte, daß die Haggada sowenig daran dachte irgend eine biblische Erzählung mythologisch aufzulösen wie etwa jener jüdische Gelehrte des XVI. Jahrh., welcher die dunklen Mondflecken für das Gesicht Jakobs hielt (vgl. David Ibn Simra in s. 10 מגן דוד). In Böhmen glauben heute noch die Bauern, in den Mondflecken den David auf einer Harfe spielend erblicken zu können. Hugo Winckler meint: »Was für den Maler die Farbe, was für den Dichter die poetische Form, das ist für den orientalischen Erzähler das mythologische Schema« (Jeremias, Babel-Bibel, II, 21). Wir zitieren demgegenüber ein vom Franzosen De Pere herrührendes und häufig angeführtes Beispiel aus der neuesten Geschichte Europas. Danach war: 1. Napoleon =־ Apollo die versengende Sonne; 2. Napoleon ist auf einer Mittelmeerinsel geboren, gerade so wie Apollo auf der Mittelmeerinsel (Delos); 3. Napoleons Mutter hieß Laetitia — Leto, Latona die Mutter des Apollo; 4. seine 3 schöne Schwestern waren die 3 Grazien; 5. seine 4 Brüder, die 4 Jahreszeiten; 6. drei von ihnen wurden Herrscher Frühling, Sommer und Herbst; 7. der vierte, d. h. der Winter, herrschte nicht; 8. seine 12 Marschälle sind die 12 Tierkreisbilder; 9. Napoleon regierte 12 Jahre, wie die Sonne täglich 12 Stunden; 10. Napoleons Laufbahn beginnt im Orient, wie die Sonne im Osten aufgeht; 11. Napoleon starb im Westen, wie die Sonne im Westen untergeht; 12. dazu kommt noch, daß 1814 sein letztes Regierungsjahr als das 19. Regierungsjahr Ludwigs XVIII. häufig angeführt wird. (Vgl. Kuenen Gesam. Schriften 3.) Kann da Napoleon auch noch existiert haben? Oder gibt es im ganzen A. T. auch nur eine einzige Episode, die dem astralem Schema in solchem Maße entspräche?

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