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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 287

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Judentum und Christentum [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 287 (sequence 31)
Language
German
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Judentum und Christentum. 287 Der römisch-katholischen Kirche war ein besseres Wirken beschieden. Sie ist in der Tat die geistige Mutter der Völker Westeuropas geworden. Aber auch sie vermochte die »Widersprüche zwischen den Lehren und Forderungen des Evangeliums und der Gestaltung des kirchlichen Lebens« nicht zu bewältigen1). Sie predigte die Liebe und übte den Haß. Für die Ketzer flammten die Scheiterhaufen, und die Seelen der Ungläubigen schmachteten im Fegefeuer und in der Hölle. Den Auswüchsen des Katholizismus trat die Reformation entgegen; doch Folter und Inquisition, Hexenwahn und Teufelsglaube blieben noch lange mächtig. Nicht die Religion, sondern die Wissenschaft hat damit aufgeräumt. Das Studium der religiösen Urkunden jedoch führte, wie Harnack sagt, zu »einer Reduzierung der einzelnen Faktoren, welche einst das Christentum gebildet haben, auf seine wesentlichen Elemente«2), d. h. er gibt nahezu alles auf, was durch das Heidentum und die griechischen Philosophen hinzugefügt worden ist; er stellt sich in Gegensatz zu den Lehren des Apostels Paulus und bezeichnet die Religion als »die Gottes- und die Nächstenliebe«8). Er kehrt also zurück zu der Auffassung des Judentums, wie sie von den Urchristen übernommen worden ist, und er hat damit eine Denkweise bekundet, die jeder mit ihm teilen kann, welcher religiösen oder philosophischen Richtung er auch angehöre. Die Werke d er Nach stenliebe üben, das heißt an den großen sozialen Aufgaben der Gegenwart mitarbeiten, es heißt aber auch Achtung haben vor der Überzeugung andrer und Verständnis für deren Handlungsweise, es lehrt Feindschaft und Haß überwinden und wird dereinst Juden und Christen den gleichen Weg führen zu dem J) Eschelbacher, S. 162. *) a. a. O. S. 165. s) a. a. O. S. 168.

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