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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 258

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Judentum und Christentum [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
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258 Judentum und Christentum. Stammesgenossen freiwillig den Rücken. Sie werden fahnenflüchtig nicht aus besserer Überzeugung — das könnte man begreifen — sondern um des Vorteils willen, der ihnen winkt. Sie wechseln die Religion gleichgültig wie einen Handschuh; denn es ist ihnen völlig wesenlos, was sie mit dem Munde bekennen, da sie es doch nicht glauben. Dieser Indifferentismus ist es, der das Judentum schwerer bedroht, als alle die Jahre der Verfolgungen, in denen Israel gehetzt, verspottet und verachtet umherirrte und froh war, wenn die Mauern des Ghetto es von seinen Feinden abtrennten und ihm einen Schlupfwinkel boten. Dieser Indifferentismus ist es, der härteren Schaden zufügt, als der gewaltsam erzwungene Übertritt der ungezählten Scharen, bei deren Taufe der Henker mit Schwert und Brandfackel Gevatter stand. Wie groß die Gefahr ist, die von ihm ausgeht, das hat Dr. N. Samter in einer Arbeit nachgewiesen, die, wie auf ihrem Titel steht, »cum ira et studio« zusammengestellt ist und den Zweck verfolgt, gleich dem Arzte die Sonde in die Wunde zu führen, um Heilung zu erzielen. »judentaufen im 19. Jahrh un de rt«1) heißt das Buch, in dem Dr. Samter seinen Glaubensgenossen, um sie dem judentume zu erhalten, die christliche Religion in dem Lichte zeigen will, wie sie ihm selbst nach gewissenhafter Forschung erschienen ist. Das hält er für seine Pflicht und sein Recht (Vorrede S. VI). Nicht Proselyten will er machen, nur vor Abfall die bewahren, die er schweren Herzens schon auf dem Wege dahin sieht. Sein Buch ist ein Kampfruf gegen den Indifferentismus, der nach dem Worte von Graetz »tätlicher als Abfall« ist, ein Mahnruf an alle, die noch Juden mit Leib und Seele sind, sich zusammenzuscharen, »damit unsere Enkel dereinst, im Hinblick auf die vorangegangene Zeit des Abfalls, das 1)Samter, Dr. N., Judentaufen im 19. Jahrhundert (Berlin 1906, Verlag von M. Poppelauer), 2, VIII, 158 S., 8.

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