Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Studien zum Buche Esther
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 8)
- Language
- German
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Studien zürn Buche Esther; 159 ermuntern und zu ermutigen, wie G r a e t z meint, so hat er dieselbe sehr sorgfältig verborgen, sogar in dem Maße, daß wir auch jetzt noch, nachdem uns Graetz •die Augen geöffnet hat, nichts davon wahrnehmen. 6. Wie in aller Welt ist es ferner vorstellbar, daß die j ü d rs c h e n Gesetzeslehrer ein g r i e c h i s c:h:e s Fest nach den Makkabäerkämpfen hätten bestehen lassem oder gar es ein geführt hätten? Ist doch gerade die nachmakkabäische Zeit die Gebürtszeit fast aller Eirischrän ־ kungen und Verschanzungen gegen alles, was nur im Geringsten mit griechischer Sitte und Religion zusammenhängt. Entstammen doch die meisten Verschärfungen der streng rituellen Vorsichtsmaßregeln (תקנות ומרות) dieser Zeit1). Welch’ ein Widerspruch gegen alle diese Tatsachen wird uns daher zugemutet, wenn man zu glauben verlangt, daß in der nachmakkabäischen Zeit, in der man den großen Feueropferaltar zerschmetterte und seine Steine vergrub, weil griechische Opfer auf ihm dargebracht worden waren, das von den Hellenisten eingeführte Bacchusfest mit seinen grauenhaften Unzüchtigkeiten ruhig hätte bestehen lassen? Zeichneten sich doch gerade die Dionysosfeste durch unsittliche Orgien und innigen Zusammenhang mit dem Phalluskult ganz besonders aus. 7. Wie aber steht es überhaupt mit dem Dionysosfeste, dem die Purimfeier nachgebildet sein soll? Die Bacchanalien bestanden in fünf verschiedenen Festen zu vier verschiedenen Jahreszeiten. Die ersten waren die län'd. liehen Dionysien im Monat Poseideon Tanfangs Dezember, die beim Herannahen der Weinlese mit Prozessionen, Schmäusen, Gesängen und Schauspielen von Gau zu Gaü gefeiert wurden; die zweiten waren die »Halben« das Torinenfest, ebenfalls im Monat Poseideon, gegen Ende Dezember, nach beendeter Weinlese; die dritten sind die 1) Vgl. I. Makkab. Talmud babli Middoth I, 6. Jebamoth 4- 90. Sanhedrin 46. usw.