Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 758 (sequence 2)
- Language
- German
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758• Besprechungen. hergebrachter Schablone bewusst abweichenden Schwarzweisskünstler kennen. Es ist noch etwas höheres als Konewkas feine Silhouettenkunst; wir bewundern die geschmackvolle Abwägung von Licht und Schatten, die reizvolle Ornamentierung und die liebevolle Versenkung in die Intentionen der Dichtung. In allen aber lebt und schafft ein jüdisch-nationales Empfinden, das, an die altehrwürdigen Traditionen des Judentums' anknüpfend, diesen ein künstlerisches Gepräge von edelster Stilreinheit zu geben weiss. Durch Dr. Alfred Regeners verbindenden Text wird uns das Verständnis für den Künstler erst richtig erschlossen. Die anregend geschriebene Einführung »von jüdischer Art und Künste wirft einen geistreichen Streifblick auf die Geschichte jüdischer Kunst, die »Lehrjahre des Lebens« schildern den Kampf, der keinem Künstler erspart bleibt und das siegreiche Durchsetzen seiner Künstlerindividualität. Die ferneren Kapitelbehandeln die einzelnen Seiten von Liliens künstlerischem Schaffen. Dass stellenweise die Darstellung einen hohen leidenschaftlichen Schwung annimmt, wen will das wundern, der mitfühlend einen Blick auf Liliens Zeichnung: Väter und Söhne (aus dem Ulk, Verlag von Rudolf Mosse) wirft. In endlos scheinendem Zuge, geführt vom Sensenmann auf magerem Klepper, hinausziehend, werfen die jüdischen Ärzte, die als Träger des roten Kreuzes von Russland nach Japan gesandt werden, einen letzten innigen Schetdeblick auf ihre Väter, die des Ernährers beraubt, ohne Hab und Gut, die Stadt verlassen müssen, geführt von dem Engel der Gerechtigkeit, der seine Augen bedeckt und sein Haupt und die brennende Fackel zu Boden senkt. Ein ergreifendes Blatt, von gewaltiger Wirkung in seiner lapidaren Einfachheit. Schar der Väter: Wohin des Weges, ihr Kinder? Schar der Söhne: Gen Osten — das heilige Russland schickt uns 1 Und ihr Väter? Schar der Väter: Gen Westen, das heilige Russland verjagt uns. Ein anregendes Buch pflegt auch zum Widerspruch anzuregen. Wir können nicht verschweigen, dass wir die Ausführungen des geistreichen Verfassers über jüdiche Kunstmäcene, Seite 69 und 70, nicht für richtig halten. Aus dem Umstande, dass Liliens erstes Werk Juda keinen jüdischen Verleger fand, sondern in dem gleichen angesehenen christlichen Verlage in Goslar, wie das in Rede stehende Werk über E. M. Lilien erschien, lassen sich so allgemeine Schlüsse über die Stellung des Juden zu glaubensgenössischen Künstlern nicht ziehen. Es würde aber zu weit führen, hier über jüdisches Mäcenatentum zu sprechen. Ist hier für mein Empfinden zuviel gesagt, so vermisse ich andererseits eine Parallele, die sich jedem Kenner moderner Illustra-