Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 5 · p. Seite 555

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 5
Article
Die Juden in Babylonien unter Sabur II. (309-382)
Date
1905-01-01
Page
Seite 555 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829787-2829793-2886416--33957-2886481
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Juden in Babylonien unter Sabnr II. (309 —282). 555 tatsächlich die Herrscher des jüdischen Volkes, und der Gelehrtenstand bildete einen mächtigen Adel mit allen Rechten und Privilegien eines solchen. Gleich den Adeligen und katholischen Bischöfen im Mittelalter hatten sie das Recht, ihreh iynterhändlern Pässe auszustellen, eine Art von Freibriefen, welche deren Vorzeiger von allen Markt- und Zollgebühren befreite1). Auch sonst wurden die Privilegien, die die Gelehrten schon früher besessen, in dieser Zeit erweitert. Selbst das Grundprinzip der Gleichheit vor dem Gerichte wurde insofern durchbrochen, als den Gelehrten der Vortritt vor anderen Prozessparteien eingeräumt wurde2). Es ist das charakteristischste Merkmal der Geschichte?, der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert, dass die Würde des Exilarchates immer mehr und mehr in den Hintergrund tritt und in dem gleichen Masse an Bedeutung verliert, als die des obersten Schulhauptes an solcher zunimmt. Schon zur Zeit R. Nachmans (st. 320) appelliert man vom Exilarchen an diesen, wie an eine höhere Instanz3). Die Bestimmungen des Festkalenders, die in früheren Zeiten von Palästina an das Exilarchat übermittelt wurden — eine wichtige Prärogative des Exilarchen — werden nunmehr dem Schulhaupte Raba mitgeteilt4). In dem letzten Viertel dieses Jahrhunderts führt das Schulhaupt R. Aschi auch den Titel »Rabbana«5), der früher nur Exilsfürsten beigelegt wurde. Demselben wird ein Einfluss zugeschrieben, wie ihn seit den grössten Patriarchen Palästinas, dem Mischna־ redaktor R. Juda, kein Israelit besessen und bei dem Nachtin 62 a. Ihre Funktion wird mit מלך bezeichnet. Als R. Aschi zur Erklärung einer Mischna über die Könige Israels gelangte, sagte er: »Morgen werden wir den Vortrag mit der Besprechung unserer Kollegen eröffnen.« Sanhedrin 102 b. *) Nedarim 62 b; Baba b 22 a. 2) Das. 3) Baba K 58 b. 4) Sanhedrin. 12 a. 5) Kethubbot 22 a.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.