Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Esther
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 513 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Esther. Eine historisch-kritische Untersuchung. Von Siegmund JampeL (Schluss.) Von weit grösserer Wichtigkeit aber sind folgende talmudische Unterhandlungen über die Kanonizität des Estherbuches. Im Babli, Megilla Ta, wird von einem hervorragenden Mitgliede der Hochschule zu Jamnia, nämlich von R. Josua, berichtet, dass er im Gegensatz zu R. Elieser aus Modim, dem Estherbuche die Kanonizität abspreche und daher auch Exod 17, 14 so zu deuten suche, dass Esther ausserhalb des Kanons bleibe. In seinem Sinne behaupten später die Amoräer Samuel und Rab Jehuda, dass »das Estherbuch die Hände nicht verunreinige« "אמר ר, יהודה אסר שמואל אסתר איגו מטמא את הידים". Da nun der allgemeine Grundsatz 1״כל כתבי הקודש מטמאים את הידים״) »alle heiligen Schriften verunreinigen die Hände« lautet, so muss die Behauptung ״אינו מטמאה את הידים״ offenbar so viel als : »nicht zu den heiligen Schriften gehörend« bedeuten. Wir hätten demnach hier einen berühmten Tanna und zwei hervorragende Amoraim, die dem Estherbuch direkt den biblischen Wert absprechen. Hier macht nun die Ansicht der modernen Exegese, wonach diese Bestreitung der Kanonizität des Estherbuches als eine Folge der Anzweiflung seiner Geschichtlichkeit anzusehen sei, einen faszinierenden Eindruck. Bei näherer Beschäftigung mit den betreffenden Talmudstellen verliert aber diese Ansicht jede Wahrscheinlichkeit. Wäre nämlich dies der Fall, so müssten dieselben Gelehrten in erster ף Vgl. Jadajim 4, 6; Tosifta Jadajim 21, 9; Sabim 2, 12; Edijoth 5, 3; Kelim 15, 6; Babli Sabbath 14a; Jeruschalmi Sotah II, 3. Monatsschrift 49. Jahrgang. 33