Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 501 (sequence 3)
- Language
- German
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501 Besprechungen. die dentschen Dichter ihre Kenntnis von den Hoffnungen und den Gedanken der Juden entnommen haben. Diese Überläufer, zum gros־ sen Teil unwissende Menschen, zum andern erkauft, um Juden und Judentum zu schmähen, haben?die Zerrbilder geschaffen von dem Hass, den die Juden gegen die Christen hegen, ihrem Blutdurst und ihrem Rachesinnen. Umso williger wurde das als bare Mänze genommen, weil die nichtjüdische Weit die hohe Stufe gottgefälliger Sittlichkeit nicht begriff, auf welcher die Juden ihren Peinigern nicht Hass, sondern Verachtung widmeten. Diese Zerrbilder hat Frankl nicht als Zerrbilder erkannt. Dagegen zeigt die Fülle des Gebotenen, dass diese Dichter die dunkeln Empfindungen der Volksseele umschmeichelt und ihnen Form und Wort verliehen haben. Sie stellen den Juden zugleich schlau und dumm, Gewinn von den Christen suchend und die Christen ingrimmig hassend dar. Was Frankl selbst nicht begreift, ist doch wahr. Die Juden haben trotz allen Leids die Christen nie gehasst. Allein das böse Gewissen dieser hat die Anschuldigung entstehen lassen. Man will sich im Rechte wissen, dass man die Juden unmenschlich behandelt. Darum schildert man sie als Feinde, Spötter und Erniedriger alles dessen, was der Gesamtheit heilig ist, — nennt alles Schlechte jüdisch (wie jüdische sütt soviel ist als hässliche, schlechte Sitte). — Sie müssen als Zauberer dem Hasse und das fürchtenden Abneigung des Volkes preisgegeben werden. Nur eins wird widerwillig anerkannt, ihre Treue gegen ihr Gesetz. — Allgemein dürfte es interessieren, dass Grimmelshausen (1669) das Maassebuch als Quelle angiebt — derselbe, der mit den Anderen lügt, dass die Juden Christus täglich in ihren Synagogen verfluchen. Einer schreibts dem Andern nach, und so wirds immer mehr geglaubt. Besonders Charakteristisches findet sich nicht, weil das Lasterbild leider zum Volksgut geworden ist. Wucherer, Geldfälscher betrogene Betrüger, Menschen, denen um Geld jede Tat möglich ist — diese Bilder werden dem Volke eingeprägt. Während Ayrer (Ende des 16. Jahrhunderts) einen Juden, um Geld zu verdienen einen Knaben rauben und verkaufen lässt, während die englische Komödie (Marlowe und Shakespeare) den Judenhass zu der Absicht gelangen lässt, unter den Formen des Rechts Christenblut zu vergiessen, wird der alte Klang immer allgemeiner, und die Christus gemartert haben, wiederholen alljährlich diese Untat an Christusgläubigen, Hostien oder heiligen Bildern, wird vom Volke dem Juden schon im 14. Jahrhundert das Brunnenvergiften und das Erzeugen der Pest und sogar seit dem 12. Jahrhundert schon der Kindermord, seit dem 13. Jahrhundert die Hostienentweihung zur Last gelegt. Hier hinkt die Dichtung hinter der Phantasie und dem Fanatismus des Pöbels her und erzählt, wie die