Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 499 (sequence 1)
- Language
- German
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49g Besprechungen. Oskar Frankl- Der Jude in den deutschen Dichtungen des 15., 16. und 17. Jahrhundertes. Leipzig 1905. Robert Hoffmann, 144 S. gr.-8. In hocheleganter und moderner Ausstattung präsentiert sich dieser interessante Versuch, die Mysterien, Fastnachtsspiele, Komödien^ Spottvolkslieder aller Art aus drei Jahrhunderten einmal auf das hin zu untersuchen, was sie von den Juden sagen und wie sie es sagen. Aus der Volksseele haben diese Dichtungen geschöpft und auf die Volksseele, ihr Denken und ihr Streben haben sie mächtig eingewirkt. Den meisten Forschern ist die Form — Wort, Verskunst — das .Wichtigste. Aber auch die Gelehrten, welche diese Schriften mit den Augen des Kulturhistorikers durchspähen, haben weitere Ziele und neben dem, was sie über die weltbewegenden kirchlichen, sozialen und politischen Fragen suchen und finden, übersehen sie oder lassen sie als nebensächlich liegen, was für die Kulturgeschichte der Juden wichtig ist. Was der literarisch gelehrte Verfasser erstrebt —״ ist demnach sehr dankenswert. Leider hat er es mit ungenügender Vorbildüng unternommen. Er meinte, es sei genug, dass er als Jude die literarhistorischen Kenntnisse besitze, und achtete es gering, dass er .nicht genügend über jüdisches Wesen, Denken und Wissen sich unterrichtet hatte. Erst, da seine Quellen es ihm angaben, denkt er an den Zusammenhang der Religionsdisputation von Tortosa (1412) mit des Hans Folz Dichtung. Er ahnt es nicht, dass die Disputationen des 13., Jahrhundert (1240, 1263), wenn nicht schon die des 12. (Nathan Official) die Vorbilder für die Disputationen in den Passionsspielen gewesen sind. Wenigstens ist die Inscenierung auf den Bühnen gleich ״ der, welche für jene Disputationen auf den Bühnen des Welttheaters angewendet worden ist. Die jiid. Namen bleiben unerklärt, wenn sie nicht gar als unerklärlich bezeichnet werden. Bandir (S. 9) ist Pandera, ..Dass Liebermann, ein »den Zeitverhältnissen« entnommener Name .. sei,, ist mindestens seltsam. Es is.t eine Verdeutschung für Elieser. Sandermann oder Sandelmann (S. 12) hängt mit Sande! Alexander zusammen, Wengker ist wohl Wender oder Bender, Snoppenkile ver- . lesen aus Sanwil, Kadrot ebenso aus Kassriel, Rupin Reuben, Lendikeile verballhornt aus Lepkindle. Rabinasche erklärt Frankl mit. Rabi (statt Rab) Aschi; ihn und Rabina bezeichnet er als »Hebraisten». 32*