Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 361 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen״ 361 Rüif, Dr. J., Metaphysik, Bd. V. Wissenschaft der Gotteseinheit. Leipzig, 1903. Hermann Gratzl. (XIV, 443 S.) 8. Die letzten Fragen der Weltanschauung sind nicht durch logisches Raisonnement zu entscheiden, die Argumentation beginnt stets beim Vorletzten. Daher kommt es, dass jeder mit absoluter Konsequenz durchgeführte Standpunkt unwiderlegbar ist. Das gilt sowohl von der erkenntnistheoretischen Grundlage eines Systems, als von seinen höchsten und umfassendsten Synthesen. Ob wir unseren Sinnen oder unserem Verstände vertrauen oder skeptisch resignieren, hängt im letzten Grunde nicht von Verstandesmässiger Überlegung, sondern von unserer psychischen Beschaffenheit ab, wenn auch naturgemäss jeder versuchen wird, seinen Standpunkt logisch zu begründen. Ebensowenig entscheidet bei der Auswahl desjenigen Elementes der Wirklichkeit, auf das alle übrigen zurückgeführt werden, in erster Linie objektives Denken, auch hier erscheint der Intellekt im Dienste subjektiver, gefühlsmässiger Faktoren. Genau dasselbe gilt schliesslich für unsere Beurteilung des Verhältnisses der mannigfachen Wirklichkeitselemente zu einander. Die Erfahrung zeigt uns nur ihre durchgängige kausale Verknüpfung. Ob aber die Einheit, die auf diese Weise entsteht, nur eine äusserliche, mechanische oder eine innerliche, organische ist, diese Frage ist mit den Mitteln der wissenschaftlichen Forschung nicht zu lösen. Der pluralistische Atomismus wird den Tatsachen der Erfahrung genau so gerecht, wie irgend ein Monismus. Auch hier ist die theoretische Formulierung nur die rationale Verkleidung einer Stimmung. Mit absoluter Deutlich keit zeigt sich das Vorherrschen des Gefühlsmässigen bei dem Werturteil, das wir über das Universum fällen; ob wir in ihm Harmonie und Schönheit oder Disharmonie erblicken, hängt ausschliesslich von unserer seelischen Verfassung ab, diese Frage entzieht sich daher völlig der logischen Diskussion. Nach alledem wird es begreiflich, erscheinen, wenn wir bei der Besprechung des V. Bandes der Rülfschen Metaphysik, der die religionsphilosophischen Ansichten des vor kurzem verschiedenen Denkers enthält, unsere Aufgabe nicht in der kritischen Untersuchung der seinen Standpunkt charakterisierenden Ueberzeugung erblicken, sondern uns vielmehr darauf beschränken festzustellen:, ob der Verfasser sich der Subjektivität seiner Ansichten bewusst ist, und ob er von den Praemissen seines Denkens aus folgerichtig schliesst. Da wir es mit dem religionsphilosophischen Werk eines Glaubensgenossen zu tun haben, wird ferner die Frage nach dem Verhältnis seiner religiösen Weltanschauung zu der der Bibel zu untersuchen sein. Seinen erkenntnistheoretischen Standpunkt entwickelt Rülf nicht