Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine archivalische Informationsreise
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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2415 Eine archivalische Informationsreise, zum Staat und zu den Kommunen, besonders aber über die eigenen inneren Verhältnisse, Organisation, Bildung, pekuniäre und soziale Lage usw. zu verschaffen. Auch über einzelne Familien und Personen ergeben sich die mannichfaltigsten Aufschlüsse. Für die Beziehungen der Gemeinden untereinander, die Wanderungen der Juden von Ort zu Ort und von Land zu Land, für die Geschichte der jüdischen Siedelungen, enthält das Vorgefundene Material manchen wertvollen Beitrag. Wir erhalten Auskunft über Umgangssprache, Kleidung, Sitten, häusliches Leben. Es ist daher der Mühe nicht unwert, das einzelne, bereits aufgezählte Material auch von diesem Gesichtspunkte aus einer Musterung zu unterziehen. Verhältnismässig gering an Zahl sind diejenigen Dokumente, welche das Verhältnis der Juden zur Aussenwelt, zum Landesherren, zu den Kommunen usw. uns schildern. Der Mangel dieser Art von Material in Händen der jüdischen Gemeinden ist jedoch aus dem Grunde etwas leichter zu verschmerzen, als die in den staatlichen und städtischen Archiven vorhandenen Materialien gerade diese Seiten, das Verhältnis der Aussenwelt zu den Juden, ihre rechtliche Stellung im Staate, die ihnen aufgebürdeten Steuerlasten usw. uns kennen lernen lassen und somit die empfindliche Lücke etwas ausfüllen. Immerhin sind die Archivalien der Städte Worms, Mannheim, Darmstadt und Frankfurt a. M. auch in dieser Beziehung von hohem Werte. Man denke nur an die Kaiserprivilegien in Worms, Mannheim und Frankfurt a. M., an die zahlreichen Judenordnungen in Worms, an die ebenfalls dort erhaltenen Akten über die Abgaben der Juden an die kaiserliche Hofkammer, an die Stadt, an den־ Kämmerer von Dalberg, an die Grafen von Leiningen, an den Kurfürsten zur Pfalz und den Bischof in Worms, dann an die vielen Akten, welche Streitigkeiten der Juden mit der Stadt, der kurfürstlichen Regierung usw. betreffen, an die Akten über die Kriegslasten der Juden, dann